Strom und Wärme aus Windkraft

BN-Veranstaltung über „eightwind“ lockte 100 Besucher an

 

Kemnath. Mit so einem Andrang hatte der Bund Naturschutz wohl nicht gerechnet. Rund 100 Teilnehmer drängten sich in den Veranstaltungsraum der Gaststätte „Fantasie“, um Informationen über „eightwind“, die neue Generation von Windkraftanlagen, aus erster Hand zu erhalten.

So freute sich dann auch Karl Paulus, der Kreisgeschäftsführer des Bundes Naturschutz, bei der Begrüßung über die „riesige Resonanz“. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich mit der neuen Generation von Windkraft-Kleinanlagen neue Perspektiven eröffnen „für eine dezentrale Energieversorgung der Zukunft“. Neben der Energieeinsparung und Energieeffizienz sei die weitere Entwicklung der regenerativen Energien von entscheidender Bedeutung.

 

Innovation „eightwind“

Referent Klaus Schiessl (Schwandorf), der mit seinem Partner Rainer Kohl (Pullenreuth) auf Einladung des Bundes Naturschutz nach Kemnath gekommen war, stellte „eightwind“ als weltweit innovative Windkraftanlage mit Vertikalrotor im Leistungsbereich zwischen 1 bis 150 Kilowatt vor. Weitere Leistungsklassen bis 300 Kilowatt befänden sich in der Planung.

Wie Schiessl informierte, könne man bereits mit einer 2,5 KW-Anlage ein Einfamilienhaus mit Strom und Wärme versorgen. Dazu sei auch ein Pufferspeicher von ca. 2.000 Litern notwendig. Die Wärmeenergie werde mit Hilfe eines „Powerpacks“, einer Art Wärmepumpe, erzeugt. Mit Hilfe der neuartigen Windkraftanlagen biete sich zusätzlich die Möglichkeit der Einspeisung ins öffentliche Netz. Größere  Anlagen mit 30 KW-Leistung seien für Firmen geeignet.

Im Gegensatz zu den klassischen Windrädern mit zwei oder drei Flügeln und einer waagrechten Achse seien die Anlagen von eightwind mit einer senkrechten Achse und drei Rotorblättern ausgestattet, erläuterte Schiessl. Der sonst niedrige Wirkungsgrad eines frei laufenden Vertikalrotors werde durch die aerodynamisch ausgebildeten Hüllflächen um ein mehrfaches erhöht, „nach dem Prinzip einer Venturiturbine“.

 

Technische und energetische Vorteile

Die eightwind-Anlagen seien, so Schiessl, geräuscharm (kein „Jumboeffekt“), wartungsarm (aufgrund einfacher, solider Techniken), verursachen keinen Schattenwurf („Diskoeffekt“) und könnten aufgrund der geringen Anlagenhöhe gut in die Landschaft integriert werden. Weitere Vorteile seien die hohe Energieausbeute aufgrund der Beschleunigung der Windgeschwindigkeit im Strömungskörper sowie der frühe Einspeisungsbeginn bereits ab einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde. Weitere Vorteile dieser neuartigen Windkraftanlagen seien die Leistungsabgabe auch bei verwirbeltem Wind sowie das „Wasser warm schlagen“, „die Unterstützung der Heizungsanlage aus der Überschussenergie.“ Anlagen bis 10 m Höhe seien genehmigungsfrei.

 

Sehr rege Diskussion

Im Anschluss des Referats entwickelte sich eine sehr rege Diskussion, die von Werner Schubert, dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden des BN souverän geleitet wurde. Auf Nachfrage zu der Bauhöhe erklärte Schiessl, dass die Anlagen, die wie große Briefkästen aussehen, mindestens 6 Meter hoch aufgeständert sein sollten. Der Mindestabstand zum Nachbarn müsse die halbe Anlagenhöhe betragen. Ein Teilnehmer fragte nach den Kosten. „Eine 5 KW-Anlage kostet betriebsbereit rund 35.000 Euro und amortisiert sich bereits nach 3,5 Jahren“, antwortete Schiessl. Für Heiterkeit sorgte die Frage eines  Besuchers, was passiere, wenn ein Vogel in den Rotor fliege. „In den Kasten wird nur ein dummer Vogel fliegen“, antwortete Schiessl. „Und dann wird er es wieder tun, denn aufgrund der dreifachen Beschleunigung ist das wie Achterbahn fahren.“ Sybille Bayer fragte nach, ob eightwind nicht in Konkurrenz zu Ostwind stehe, die  Großanlagen produzierten. Sie sehe die neuen Windkraft-Kleinanlagen auch als „Chance für Kommunen“.

Abschließend stellte Schiessl fest, dass demnächst die ersten eightwind-Windkraftanlagen in der nördlichen Oberpfalz installiert werden. Die erste Anlage im Landkreis Tirschenreuth werde im Frühjahr in Pullenreuth gebaut. Karl Paulus kündigte nach  Rücksprache mit Rainer Kohl an, dass der  Bund Naturschutz diese Pilotanlage im Sommer im Rahmen einer öffentlichen Führung besichtigen werde.