MenuKreisgruppe WunsiedelBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Mahnfeuer gegen das Mega-Industriegebiet Thiersheim-Wunsiedel

Mit einem fulminanten Mahnfeuer haben die Kreisverbände des Bundes Naturschutz und des Bayerischen Bauernverbands sowie Grundbesitzer aus Bernstein und Stemmasgrün auf den gewaltigen Landverbrauch und die vielen Probleme durch das riesige Industriegebiet und eine Altpapier-Recyclingfabrik vom Thiersheimer Plärrer bis Bernstein hingewiesen.

Mahnfeuer gegen gigantisches Industriegebiet Wunsiedel-Thiersheim

Mit einem fulminanten Mahnfeuer und deutlichen ...

Mahnfeuer gegen gigantisches Industriegebiet Wunsiedel-Thiersheim

Worten haben BN, BBV und BI auf den ...

Mahnfeuer gegen gigantisches Industriegebiet Wunsiedel-Thiersheim

... unverantwortlichen Landverbrauch durch das riesige Industriegebiet hingewiesen

16.02.2018

Damoklesschwert über den Fluren vom Thiersheimer Plärrer bis Bernstein

„Heimat wächst nicht nach“

Wir haben uns heute versammelt, nicht weil wir Lust auf ein Lagerfeuer im Winter haben, sondern weil wir uns wieder einmal vor die Heimat stellen müssen. Denn eine riesige Altpapierfabrik schwebt wie ein Damoklesschwert über den Fluren vom Thiersheimer Plärrer bis Bernstein“ warnte BN-Geschäftsführer Karl Paulus bei der Begrüßung. Noch wisse man nicht genau, ob der Landverbrauch durch das Industriegebiet einmal 60, 80 oder gar 100 Hektar sein wird. Aber eines sei gewiss: Es geht um unglaublich viel Grund und Boden, unvermehrbaren Grund und Boden. „Heimat wächst nicht nach.“ Paulus erinnerte an die erfolgreiche Allianz vor gut 30 Jahren „gegen die B 303 neu“, eine starke Allianz von Grundbesitzern, Bayerischen Bauernverband und Bund Naturschutz, die nun wieder neu geschmiedet wurde.

Heute habe man wieder ein Mahnfeuer entzündet - das letzte war gegen die Fichtelgebirgsautobahn - „weil wir mahnen und warnen, vor einer gravierenden Veränderung und Zerstörung der Naturparklandschaft“, so Karl Paulus. Bürgermeister Beck mache Werbung für einen Öko-Gewerbepark. Doch was ist, wenn er kommt? Die Altpapierfabrik, die keine Tourismusregion haben will. Das Fichtelgebirge als zentrale Altpapiersammelstelle? Mit einem Ersatzbrennstoff-Heizwerk, wie in Eisenhüttenstadt? Die Rückkehr der Müllverbrennung in neuem Gewand. Dazu Erschließungen, Straßen und vieles mehr?

„Liebe Freundinnen und Freunde, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, so lasst uns hier eng zusammenstehen. Zeigen wir dem Charly Beck seine Grenzen auf. Wir lassen unsere Heimat nicht verhökern“, appellierte Paulus.

Landwirtschafliche Existenzen in Gefahr in den Gemeinden Bernstein und Stemmasgrün

Der Kreisobmann des BBV, Harald Fischer, wies energisch auf die Gefährdung landwirtschaftlicher Existenzen durch das riesige Industriegebiet hin. „Selbst wenn es lediglich 60 Hektar groß werden sollte, ist dies die Fläche von eineinhalb Betrieben in unserer Region.“ Dazu kämen noch Verbindungsstraßen und Ausgleichsflächen. „Hier geht es um unsere Existenzgrundlage.“

Bernstein bewahren“

Die Sprecher der gerade neu gegründeten Bürgerinitiative „Bernstein bewahren“ Heike Bock und Stephan Regnet warnten vor dem Verlust an Lebensqualität in den stark betroffenen Dörfern Bernstein und Stemmasgrün. Heike Bock formulierte einen ganzen Fragenkatalog der kaum zu lösenden Probleme durch die Papierfabrik. „Woher wollen sie das Wasser nehmen?“ fragt Bock, schließlich gebe es in dem Gebiet keinen Fluss. Stephan Regnet wies auf den Verlust an Lebensqualität durch die Papierfabrik hin. „Wer hier heute ein Haus baut, kann sicher sein, dass es demnächst nichts mehr wert ist.“

Er wies auf die enorm steigende Verkehrsbelastung hin. „Im schlimmsten Fall holen die Politiker die Pläne der Fichtelgebirgsautobahn wieder aus der Schublade“, warnte Regnet.

Demokratischen Widerstand leisten - engagierte Rede des BN-Kreisvorsitzenden Fred Terporten Löhner

In seiner engagierten Rede spannte BN-Kreisvorsitzender Fred Terporten-Löhner einen weiten Bogen vom notwendigen Flächensparen („das kann auf freiwilliger Basis nicht gelingen“) bis zum Verlust wertvoller Natur und den Verlust an Lebensqualität durch die Altpapierfabrik. Hier einige Auszüge:

140 ha nicht genutzter Gewerbeflächen im Landkreis Wunsiedel

„Über 140 ha nicht genutzter Gewerbefläche liegen im Landkreis Wunsiedel. Die warten schon lange auf Betriebsansiedlungen. Leider nicht in der geforderten Größenordnung auf Wunsiedler oder Thiersheimer Stadtgebiet. Darum geht es doch. Nicht genügend Platz für ein interkommunales Großindustriegebiet und Großinvestoren. Wir haben in Bayern ein Heimatministerium und versiegeln jeden Tag fast 10 ha unserer Heimat. Es wird viel davon gesprochen, die Heimat für junge Familien attraktiver zu machen. Wenn man aber junge Familien fragt, was sie brauchen, dann ist es neben Kindergärten und Schulen oft auch ein günstiger Wohnraum und ein ausreichendes Freizeitangebot in einer intakten Naturlandschaft. Wie passt das zusammen mit einer gigantischen Verbauung unserer Natur- und Kulturlandschaft?

Was denkt der Urlauber einer Ferienwohnung in Bernstein, wenn ein paarhundert Meter daneben ein überdimensioniertes Industriegebiet angesiedelt ist? Würden Sie da Urlaub machen?

Die Junge Union bescheinigt dem BN verantwortungsloses Handeln. Ja du meine Güte, ist es denn verantwortungslos, wenn sich ein Naturschutzverband für den Erhalt der Schöpfung stark macht? Ist es verantwortungslos, wenn man sich für den Erhalt bäuerlicher Landwirtschaft einsetzt? Ist es verantwortungslos wenn man sich für die Lebensqualität der Dorfbewohner und ihre Zukunft engagiert? Oder ist alles verantwortungslos, was nicht Meinung der CSU ist? Was ist das für ein Demokratieverständnis?

Wir haben sehr attraktive Arbeitgeber im Fichtelgebirge, die überaus lukrative Arbeitsplätze bieten, welche aber leider nicht besetzt werden können, weil der Facharbeiter fehlt.

Diese hochdigitalisierte Altpapierfabrik schafft im Verhältnis zu ihrer Größe doch recht wenig Arbeitsplätze. Da steht die Dimension in keinem Verhältnis zum Arbeitsplatzangebot. Nicht umsonst wollen die meisten Kommunen diese Werke nicht haben, weil sie genau das erkannt haben.

Dimensionen, denen das Fichtelgebirge nicht gewachsen ist

Dazu kommen große Anforderungen an Ressourcen wie Energie, Wasser, Abwasser, Infrastruktur. Technisch vielleicht alles realisierbar, aber wird hier nicht eine Dimension überschritten, der das Fichtelgebirge nicht gewachsen ist?

Der Bund Naturschutz hat viele Kompromisse gemacht in den letzten Jahren. Wir haben uns konstruktiver Mitarbeit nie entgegengestellt. Selbst hier im Fall eines überdimensionierten Ausweisungsversuchs eines Industriegebietes haben wir keine Fundamentalopposition betrieben. Eine Teilnutzung auf ca. 30 ha, gleich neben der Autobahn bis zum ehemaligen Betonwerk halten wir für vertretbar. Auch wir wollen keinen wirtschaftlichen Stillstand im Fichtelgebirge.

Wir alle wissen aber, dass die Vorstellungen oder Visionen der beiden Bürgermeister Beck und Hofmann weit darüber hinausgehen. Sie träumen von einem harmonischen Nebeneinander von Naturschutz und industrieller Nutzung auf über 90 ha. Ein Recycling-Altpapierwerk soll es jetzt richten.

Für mich ist das der reinste Albtraum und zeugt von einem hohen Grad unterentwickeltem oder gar fehlendem Naturschutzverständnis. Das wird auch nicht besser, wenn man verbal aus einem Industriegebiet einen Gewerbepark macht. 500 Meter lange Hallen und 24 Stundenbetrieb haben mit einem Park dann doch nicht viel gemein. Das nennt man schlichtweg Volksverdummung!

Landschaftsverschandelung und unverschämter Landverbrauch

Hier soll eine Landschaftsverschandelung und unverschämter Landverbrauch grün eingepackt werden. Ich frage mich wer hier verantwortungslos handelt. Ein Zierrasen neben einer Papierfabrik ist noch lange kein Naturschutz! Der Naturschutz muss jetzt nicht den Kopf dafür herhalten, dass eine Kommune hoffnungslos überschuldet ist. Verantwortlich sind vielmehr genau die Personen, die jetzt ungeniert ein Industriegebiet im grünen Herzen des Naturparks Fichtelgebirge fordern.

Wir haben das nicht zu verantworten! Und auch die Bewohner von Bernstein und Stemmasgrün nicht! Und schon gar nicht die Flächenbesitzer, deren  bäuerliche Existenz dadurch bedroht würde.

Machen wir uns nichts vor, die Vorstellungen von den Herren Beck und Hofmann sind getrieben von den klammen Kassen ihrer Kommunen und ihren nicht genehmigten Haushalten.

Sie erwarten Gewerbesteuereinnahmen in der Hoffnung auf einen Geldsegen der zumindest zweifelhaft ist und teuer erkauft werden muss. Mit einem Firmensitz im Ausland wird das dann eher ein Draufzahlgeschäft werden.

Nicht alles was machbar ist, muss auch gemacht werden. Es kann nicht angehen, dass wir unser Fichtelgebirge als Erholungsregion anpreisen und gleichzeitig Industrieprojekte planen, die genau das Gegenteil bewirken.

Wir ballern unser kleines Mittelgebirge mit Industrieanlagen voll. So mancher hat noch nicht verstanden, dass das Fichtelgebirge nicht nur aus 12 Gipfeln, sondern auch aus einem grünen Kern besteht. Den heißt es zu bewahren oder sich einer Beliebigkeit hinzugeben. Lebensqualität wird hier zu Billigpreisen wie auf einem Sklavenmarkt verramscht. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.

Was nützt es Bernstein, wenn sich Besucher in Weißenstadt drängeln und Bernstein auf eine 500 Meter lange Industrieanlage schauen muss? Da hilft auch die versprochene Dorferneuerung oder eine Ortsumgehung nichts.

Wahrscheinlich wird die Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis kommen, das alles, wenn auch schwer, möglich ist. Intensiv wird zurzeit nach technischen Lösungen gesucht um ein positives Ergebnis zu bescheinigen. Ergebnisoffen soll sie sein. Wir sind da eher skeptisch.  „Mission impossible“ ist hier eher nicht zu erwarten. Lassen wir uns überraschen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich weiß, sowas darf man nicht sagen. Schnell wird man dann als unseriös bezeichnet. Leider gibt es viele Beispiele die genau das belegen. Denken Sie an Stuttgart 21, an die Elbphilharmonie, an den Flughafen Berlin-Brandenburg, Machbarkeit stand hier nie zur Disposition. Der Steuerzahler wird´s schon richten. --- Auch in Wunsiedel.

Investoren von Papierfabriken sind deutschlandweit auf der Suche nach neuen Standorten.

Amazone, Zalando und Co, haben einen Papierbedarf mit stark steigender Tendenz. Weil eine solche Fabrik mit einem hohen Ressourcenverbrauch einhergeht, lehnen die meisten Kommunen eine Anfrage dankend ab. Enormer Wasserverbrauch, Wärmeenergie und Strom müssen ausreichend vorhanden sein. Entstehender Industrieabfall wird gleich an Ort und Stelle verbrannt und wenn das nicht reicht, wird gerne Zusatz zugeführt. Das kann Müll sein oder sagen wir lieber Ersatzbrennstoff.Hört sich besser an als Müllverbrennung. Progroup in Eisenhüttenstadt ist das beste Beispiel dafür. Angeblich nicht in diesem Fall, nach Auskunft des Bürgermeisters. Macht ja eigentlich energetisch auch Sinn, aber brauchen wir das im inneren Fichtelgebirge?

Flächenverbrauch und Artensterben

Ich glaube der Anzug ist eine Nummer zu groß für dieses kleine aber feine Gebiet. Von einem Vorsitzenden eines Naturschutzverbandes wollen Sie sicher auch was zum Artenschutz hören. Ich kann dazu nur sagen, dass in den letzten Jahren ein Artensterben ohne Gleichen stattfindet. Das fängt bei den Insekten an und hört bei den Säugern auf. Jede Flächenversiegelung trägt ihren Teil dazu bei. Wir gehen mit der Schöpfung um wie saures Bier. Achtlos wird weggeworfen, was in Millionen von Jahren entstanden ist.

Wer glaubt denn daran, dass der Uhu, hier in unmittelbarer Nachbarschaft brütend, bleiben wird? Wer glaubt, dass der Schwarzstorch auf den angrenzenden Brachwiesen nach Nahrung sucht, wenn gleich nebenan der Papierkocher zischt? Von den vielen kleinen Arten, über deren Existenz die meisten gar nichts wissen, will ich erst gar nicht reden.

Ausgleichsflächen, wo sollen die herkommen

Lassen Sie sich nicht täuschen von Ausgleichsflächen, mit denen gerne hausiert wird. Was verschwunden ist, ist hier unwiederbringlich verloren. Ausgleichsflächen sind oft reine Augenwischerei.

Manche meiner Worte mögen hart geklungen haben, aber ich bin der Meinung, hier dürfen wir nicht mehr den verständigen Bürger spielen. Im Hintergrund wird kräftig an der Umsetzung des Projekts gearbeitet. Jetzt heißt es Farbe bekennen und konstruktiven Widerstand zu leisten. Offen und ehrlich wie es sich in einer Demokratie gehört. Das ist unser gutes Recht. Bitte machen Sie mit.“