Windpark nordwestlich Neuenreuth

Der Bund Naturschutz ist für einen Windpark nordwestlich Neuenreuth. Aber der Biotopkomplex am Brückenradweg muss ausgespart bleiben.
BN kritisiert unsensible Windparkplanung bei Neuenreuth

Schutzwürdiges Biotopgelände im Bereich des Brückenradwegs westlich von Birkenbühl

Absurdes Szenario

Mit Schaudern stellt sich der Bund Naturschutz folgendes Szenario vor: Auf der ausgeräumten Anhöhe zwischen Neuenreuth und Birkenbühl, wo seit fast 10 Jahren Windkraftwerke stehen könnten, passiert gar nichts, während weiter westlich zwei Windkraftwerke in ein sensibles Biotopgelände hineingebaut werden. Das könnte durchaus Realität werden: Windkraftnutzung eindeutig zu Lasten des Naturschutzes, entstanden aus einer Verquickung von Sachzwängen, fehlerhafter Abwägung und einem Kuriosum um eine Stellungnahme.

Der Windkraftstandort Neuenreuth

Die Anhöhe nördlich von Neuenreuth war bei der ersten Fortschreibung des Regionalplans ursprünglich als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. Doch verschieden Firmen haben es in den vergangenen Jahren nicht auf die Reihe gebracht, auf der windhöffigen Hochfläche Windkraftwerke zu errichten. In der neuen Fortschreibung des Regionalplanes ist nun ein neues Vorranggebiet weiter westlich vorgesehen, das Vorrangebiet VRG 82 Neuenreuth-Nordwest. Es befindet sich westlich der Gemeindeverbindungsstraße von Thiersheim nach Thiersten und erstreckt sich vom Galgenberg über die Gemarkung "Hinterm Gericht", dem Brückenradweg entlang, bis zu einem Wäldchen südlich von Thierstein.

Der nördliche Teil des Vorranggebiets liegt jedoch in einem schutzwürdigen Biotopkomplex mit naturnahen Teichen, Verlandungszonen, Feuchtflächen, Wiesen und Wäldchen. Seltene Arten wie der Schwarzstorch kommen dort vor. Aufgrund der hohen ökologischen Wertigkeit des westlich von Birkenbühl gelegenen Gebiets hat der Bund Naturschutz vor zwei Jahren in diesem Bereich ein 1,5 Hektar großes Feuchtbiotop erworben. Es gehörte der Hospitalstiftung Wunsiedel. Das Biotop wurde inzwischen umsichtig vom Bund Naturschutz gepflegt und zu einem sehr wertvollen Feuchtlebensraum entwickelt.

In dem Vorranggebiet Neuenreuth-Nordwest sind vier Anlagen je drei Megawatt Leistung mit Gesamthöhen von bis zu 215 Metern geplant. Die Planung ist in Händen der Firma Energievision Franken mit Sitz in Bamberg, Projektträger ist die ZukunftsEnergie Fichtelgebirge. Die Standorte von zwei der vier Anlagen befinden sich in dem schutzwürdigen Biotopgelände. Nach der ursprünglichen Planung würde eine Anlage direkt neben der BN-Fläche in einem Niedermoor (!) aufgestellt.

Position des Bundes Naturschutz

Wir sind klar für den Ausbau der Windenergie, auch in unserer Region. Allerdings darf dadurch der Naturschutz nicht erheblich geschädigt werden. Der Schutz der Natur und der Erhalt der Artenvielfalt ist ein zentrales Anliegen des BN. Das sind unsere Wurzeln. Deshalb müssen die Windkraftstandorte sorgfältig abgestimmt werden. Qualitätsplanung lautet der hohe Anspruch.

Wir halten den WKA-Standort Neuenreuth grundsätzlich für gut und hätten schon längst einige Anlagen auf der landwirtschaftlich genutzten Hochfläche gerne gesehen. Allerdings müssen die Anlagen auf der Höhe konzipiert werden, und nicht in feuchtem, zum Teil moorigen Biotopgelände.

Als wir von der Lage des neuen Vorranggebiets erfahren haben, haben wir gegenüber dem regionalen Planungsverband eine modifizierte Planung eingefordert.

Seit neun Monaten haben wir in Gesprächen und Briefen gegenüber dem Planungsverband, dem Planer und auch der SWW Wunsiedel auf diese Problematik hingewiesen und darum gebeten, die beiden nördlichen Anlagen aus dem Biotopbereich herauszunehmen. Stattdessen sollten auf der Anhöhe zwischen Neuenreuth, Birkenbühl und der Hofstelle Sauerbrey drei Windkraftwerke geplant werden. Leider wurde der BN bisher nur hingehalten. Von Seiten des Planers wurden uns nur marginale Verbesserungen zugestanden.

Was uns gewaltig ärgert

Obwohl erhebliche Bedenken vorliegen und das Vorranggebiet noch nicht rechtskräftig ist, wurden bereits Nutzungsverträge mit den Grundbesitzern abgeschlossen. So hat man versucht, vollendete Fakten zu schaffen.

Zweitens: Mit dem Bund Naturschutz hat auch die höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberfranken im Verfahren für eine Veränderung der Planung votiert. Eine ebenfalls negative Stellungnahme der Naturschutzbehörde des Landratsamts Wunsiedel hat offenbar das Haus kurioserweise nicht verlassen. Das Vorranggebiet ist laut Begründung des Planungsverbandes dann so geblieben, weil sich die untergeordnete Behörde nicht negativ geäußert habe. Wir wollen nichts unterstellen, aber das ist eindeutig eine "fehlerhafte Abwägung" bzw. ein Verfahrensfehler.

Drittens: Der Planer hat uns mitgeteilt, dass vier Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen notwendig seien, d.h. man beharrt auf einer Maximallöung. Aber wie verträgt es sich dann, dass das neue Windkraftwerk bei Braunersgrün bereits mit einer Anlage laut Betreiberangaben wirtschaftlich läuft? Man ist nicht bereit, auf nur eine Anlage zu verzichten. Doch das relativ enge Gebiet bei Neuenreuth verträgt u.E. nur drei Windkraftwerke.

Appell des Bundes Naturschutz

Wir appellieren an die Zukunftsenergie Fichtelgebirge, an Bürgermeister Karl-Willi Beck und Geschäftsführer Marco Krasser, "die Kuh doch noch vom Eis zu bringen". Bei unseren recht konstruktiven Gesprächen war immer wieder von "Qualitätsplanung" beim Ausbau der Windkraft die Rede. Und Qualitätsplanung kann hier nur heißen: "Windkraft ja, aber raus aus schutzwürdigen Biotopen". Oder müssen wir auch hier eines Tages ein bitteres Fazit ziehen. "Das Geld geht vor. Der Naturschutz wird nur hingehalten und dann niedergemacht. Der erneute Ärger mit der Windenergie setzt Karl Paulus sehr zu. "Ich kämpfe seit über 30 Jahren gegen die gefährliche Atomenergie. Nun endlich kommt die ersehnte Energiewende. Und dann passieren solche handwerklichen Fehler zu Lasten der Natur. Das macht mich wütend und betroffen.