Regionalacker Fichtelgebirge: Auf lokaler Ebene ins Handeln kommen
"Aus der Region - für die Region" - unter dieses Motto hatten die Veranstalter der Weltacker-Ausstellung die Abschlussveranstaltung am 27.03.2026 gestellt. Nach dem Blick auf die globale Landwirtschaft im Rahmen der Ausstellung standen an diesem Abend lokale Erzeuger und Vermarktungsstellen im Mittelpunkt. Sie gaben den fast 60 Zuhörern einen Einblick, wie sie Lebensmittel herstellen und vermarkten.
Elke Schöllhammer aus Lorenzreuth übernahm 2009 die Imkerei von ihrem Großvater bzw. Vater. Ihre Motivation dafür war, dass das Wissen der älteren Generation nicht verloren geht, sondern weitergegeben wird. Den Honig ihrer 10 - 14 Bienenvölker, der mit Ausnahme von Ameisensäure zur Bekämpfung der Varoamilbe rein biologisch erzeugt wird, vermarktet sie im Lorenzreuther Dorfladen bzw. in der Gärtnerei Gramsch.
Mit der Landwirtschaft groß geworden ist Julia Lippert aus Lorenzreuth. In einem Hühnermobil hält sie 50 Hühner, deren Eier sie über eine Verkaufshütte am Rießbergl zu 100% lokal unter der Marke "LORI-Ei" vermarktet. Eine Herausforderung sei es am Anfang gewesen einzuschätzen, wie viele Eier sich lokal vermarkten lassen, zumal es auch noch andere lokale Hühnerbetriebe gebe. Da die Eier jedoch von den Kunden sehr gut angenommen werden, plant sie, ihren Betrieb zu vergrößern und zusätzlich Eierlikör oder Nudeln herzustellen und ebenfalls lokal zu vermarkten. Sie wünscht sich, dass noch mehr Menschen lokal einkaufen.
Den letzten im Marktredwitzer Stadtzentrum verbliebenen landwirtschaftlichen Betrieb führt Marc Preuß, der ihn seit 2002 als reinen Ackerbaubetrieb bewirtschaftet. Im Marktredwitzer Greenpark versucht er, falschen oder negativen Aussagen über die Landwirtschaft entgegenzuwirken und der Bevölkerung die Landwirtschaft näherzubringen. Außerdem stieg Preuß in die regionale Vermarktung von Lebensmitteln ein. Die von ihm hergestellten Speiseöle (Raps-, Sonnenblumen- und Leinöl) sowie das aus seinem Weizen und Dinkel hergestellte Mehl vertreibt Preuß in lokalen Supermärkten, im Lorenzreuther Dorfladen sowie in einem eigenen Hofladen. Auch wenn der regionale Erzeuger vor Ort nicht unbedingt immer den günstigsten Preis bietet, wisse man, wo die Erzeugnisse herkommen, so Preuß.
Christian Köllner führt den letzten verbliebenen tierhaltenden Betrieb in Pfaffenreuth, den er mit seiner Familie 2015 auf biologischen Landbau umgestellt hat und dafür einen hohen sechsstelligen Betrag investiert hat. Eine Investition, die sich aus seiner Sicht gelohnt, da sich der Markt für biologisch erzeugte landwirtschaftliche Produkte nach wie vor im Aufwind befindet. Die lokale Vermarktung seiner Milch über Milchautomaten in drei Supermärkten vor Ort, hat der Landwirt inzwischen wieder eingestellt. Der Arbeitsaufwand sei im Vergleich zum Umsatz sehr hoch gewesen und die Nachfrage habe im Lauf der Zeit immer weiter nachgelassen. Den größten Teil seiner Milch liefert er derzeit an die Marke „Frankenland“, die als Bio-Milch in den Supermärkten zu kaufen ist. Von der biologischen Landwirtschaft ist Köllner überzeugt: „Auf meinen Feldern und Wiesen ist die Wasseraufnahme deutlich höher und die Bodenerosion deutlich geringer als auf konventionell bewirtschafteten Flächen.“
Sucht man als Verbraucher lokal hergestellte Lebensmittel, bietet der „Einkaufsführer Fichtelgebirge“, den die Kreisgruppe Wunsiedel des BUND Naturschutz in Bayern e.V. zusammengestellt hat, einen guten Überblick. Diesen stellte Heike Schöpe, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, vor. Der rein digitale Einkaufsführer steht unter www.wunsiedel.bund-naturschutz.de/einkaufsführer.html. Auf einer interaktiven Karte lassen sich die knapp 130 lokalen Anbieter mit ihren Erzeugnissen schnell finden.
Wer sich die Anfahrt zu den einzelnen Erzeugern sparen will, für den sind die Dorfläden „dola“ in Thierstein bzw. der „LODL“ in Lorenzreuth eine gute Alternative. Die beiden Dorfläden wurden an dem Abend von Karen Löhner („dola“) sowie Robert Sroka („LODL“) vorgestellt. Beide Dorfläden sichern nicht nur die Grundversorgung mit Lebensmitteln vor Ort, sondern stärken durch die Vermarktung von regional und teilweise ökologisch angebauten Produkten auch die kleinen bäuerlichen Betriebe in der Region. Im „LODL“ gibt es außerdem ein Angebot an unverpackten Produkten. Sowohl Löhner als auch Sroka betonen, dass die Läden über die reine Lebensmittelversorgung hinaus zu wertvollen Treffpunkten in den Orten geworden sind und so einen Beitrag zu mehr Miteinander leisten. Beide wünschen sich, dass das Angebot in den Dorfläden noch mehr Interessenten findet.
Durch das Zusammenspiel von nachhaltig erzeugten Lebensmitteln und der Vermarktung in regionalen Verkaufsstellen können Erzeuger und Verbraucher einen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Lebensgrundlage leisten, so Christina Weyer im Namen der Veranstalter. Die Pfarreien St. Josef und Herz Jesu Marktredwitz, die Kath. Erwachsenenbildung Wunsiedel und der BUND Naturschutz Kreisgruppe Wunsiedel hatten in Kooperation mit dem LODL Lorenzreuth, dem Eine-Welt-Laden und der Stadt Marktredwitz die fünfwöchige Weltacker-Ausstellung nach Marktredwitz geholt und insgesamt vier Begleitveranstaltungen organisiert.
