Projekt InseGdA: Gemeinsam für unsere Insekten – ein starkes Ergebnis

Am 7. April 2026 fand um 19:00 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Wunsiedel die Abschlussvorstellung des Projekts InseGdA statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Ergebnisse und das Fazit der gemeinsamen Maßnahmen zum Schutz der Insektenvielfalt im Landkreis.
Das Projektgebiet umfasste das Eger-Röslau-Tal mit seinen Nebenarmen. Von Beginn an verfolgte InseGdA drei zentrale Ziele: die Förderung einer insektenfreundlichen Bewirtschaftung der angrenzenden Grünlandflächen, die Renaturierung der Auenlandschaft entlang von Eger und Röslau sowie eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Letztere sollte insbesondere über die „Lernorte Natur“ im Landkreis dazu beitragen, die Bevölkerung aktiv einzubinden und für die Bedeutung der Maßnahmen zu sensibilisieren.
Ein zentrales Fazit zog Dr. Oliver Kreß: Die Entwicklung einer insektenschonenden Grünlandbewirtschaftung gelang nur durch den engen Austausch mit den Landwirten. Deren praktische Erfahrungen flossen maßgeblich in die Konzepterstellung ein. Statt häufiger Mahd wurde ein System mit reduzierter Mahd und flexiblen Zeitpunkten entwickelt. So entstand am Höllbach ein sogenanntes Mahdmosaik, das in Kombination mit einer zurückhaltenden Düngung die Biodiversität deutlich erhöhte. Besonders erfreulich ist die wachsende Beteiligung: Während im Jahr 2022 noch rund 30 Hektar nach diesen Kriterien bewirtschaftet wurden, stieg die Fläche bis 2025 auf etwa 180 Hektar an. Das entwickelte Prämiensystem erwies sich dabei als wirksamer Anreiz.
Auch die Renaturierung der Gewässer brachte sichtbare Erfolge. Der einst begradigte Höllbach wurde wieder zu einem lebendigen Bach mit vielfältigen Strukturen. Am Leuthenbach durfte sich die Natur ihren Weg sogar selbst zurückerobern. Beide Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich Lebensräume erholen können, wenn man ihnen Raum gibt.
Ein Herzensanliegen des Projekts war zudem die Umweltbildung. In enger Zusammenarbeit mit der Ökologischen Bildungsstätte Hohenberg wurden über 50 Gewässerexkursionen für Schulklassen durchgeführt. Dabei erhielten Kinder und Jugendliche spannende Einblicke in die Welt der Insektenlarven in Fließgewässern. Ergänzend dazu boten der Fichtelgebirgsverein sowie der Bund Naturschutz Exkursionen für Erwachsene an, bei denen insbesondere Libellen und Heuschrecken im Fokus standen.
Die wissenschaftliche Koordination durch Andreas Zipperle bestätigte zugleich die Dringlichkeit des Projekts. Auch im Fichtelgebirge zeigt sich ein drastischer Rückgang der Insektenbiomasse um bis zu 75 Prozent, wie ihn bereits die Hallmann-Studie beschrieben hat. Allerdings unterliegen die jährlichen Schwankungen starken Witterungseinflüssen, was die direkte Bewertung einzelner Maßnahmen erschwert. So führte etwa das Jahr 2023 mit Nachtfrösten bis in den Mai zu einem deutlichen Rückgang der Insektenzahlen, während 2022 mit mildem Winter und feuchtem Frühjahr als ausgesprochen gutes Insektenjahr galt.
Dennoch konnten klare positive Effekte nachgewiesen werden. Untersuchungen zeigten beispielsweise, dass sich die Anzahl der Heuschreckenarten auf extensiv beweideten Flächen von vier auf vierzehn erhöhte. Auch auf renaturierten Flächen nahm die Artenvielfalt zu. Bei Libellen und Tagfaltern konnten stabile Populationen bei gleichzeitig hoher Artenvielfalt festgestellt werden. Darüber hinaus belegten Untersuchungen des Makrozoobenthos durch die Hochschule Magdeburg-Stendal unter der Leitung von Professor Volker Lüderitz eine Verbesserung der Gewässerökologie nach den Renaturierungsmaßnahmen.
Auch über das Projektende hinaus sollen wichtige Ansätze weitergeführt werden. Die Biologin Lisa Reiprich von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises setzt sich dafür ein, die erfolgreich erprobten Maßnahmen zur extensiven Grünlandnutzung in das bayernweite Vertragsnaturschutzprogramm zu integrieren. Ziel ist es, im entsprechenden Arbeitskreis des Bayerischen Umweltministeriums für flexiblere und praxistaugliche Bewirtschaftungslösungen zu werben.
Trotz der durchweg positiven Bilanz bleibt ein Wermutstropfen: Das Projekt läuft aus, und eine Verlängerung ist derzeit nicht in Aussicht. Alle Beteiligten – auch die Kreisgruppe des Bund Naturschutz – bedauern dies sehr. Angesichts der erzielten Erfolge wäre eine Fortführung mehr als wünschenswert, denn eines ist klar: Der Schutz unserer Insekten ist keine kurzfristige Aufgabe, sondern eine Verantwortung für die Zukunft.


