MenuKreisgruppe WunsiedelBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Ökologie endlich ernst nehmen

BN fordert von der Politik konsequenten Natur- und Umweltschutz ein:

Die Ergebnisse der Landtagswahl sind für den Bund Naturschutz (BN) ein klares Signal für mehr Klimaschutz, konsequenten Flächenschutz und mehr Einsatz gegen das Arten- und Insektensterben. Das gilt auch für den Landkreis Wunsiedel.

Okologie endlich ernst nehmen zum Erhalt unsrer Existenz

Unsere Fichtelgebirgsheimat ist in Gefahr. Ökologie muss endlich ernst genommen werden, fordert der BN.

31.10.2018

Der Natur- und Umweltschutz muss endlich ernst genommen werden. Die Zeit der Lippenbekenntnisse und Plattitüden, bei uns in Bayern sei die Welt noch in Ordnung, muss vorbei sein. Dies bekräftigten BN-Chef Fred Terporten-Löhner, seine Stellvertreterin Claudia Zeus und Geschäftsführer Karl Paulus bei einem Pressegespräch. Die BN-Vertreter machten dies an drei Themen fest.

Landverbrauch/Stromautobahnen/Entwicklung Landkreis

Dies vorweg: Der Bund Naturschutz freut sich, dass sich der Landkreis Wunsiedel wieder positiv entwickelt. In Bezug auf Image und regionale Identität gibt es eine zunehmend positive Wahrnehmung. „Die Jammer-Jahre“ sind vorbei“, titelte die Frankenpost am 1. Oktober. Und dies wurde erreicht ohne den Bau der Fichtelgebirgsautobahn und ohne Ausweisung von Mega-Gewerbegebieten, stellt der BN fest. Gesundheitsregion, Bildungsregion, Tourismusregion, Qualitätsnaturpark Fichtelgebirge, „Hightech im Grünen“, das sind für den BN die einzig richtigen Leitbilder für unsere Fichtelgebirgsheimat. Also Qualität statt Quantität.

Wir sind glücklich, dass die riesige Papierfabrik westlich des Thiersheimer Plärrers verhindert werden konnte. Man stelle sich nur den gigantischen Wasserverbrauch der Anlage vor, und dies in einem Dürrejahr wie 2018. Der Ausweisung eine vernünftigen Gewerbegebiets bis zur Straße nach Höchstädt werden wir keine Steine in den Weg legen. Der Bund Naturschutz plädiert dafür, Neuausweisungen von Gewerbe- und Industrieflächen sorgfältig zu prüfen. Offenbar schwirrt der Traum von einem 100 Hektar Gewerbegebiet mitten im Landkreis noch immer in den Köpfen einiger Politiker herum. Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben: Der ungebremste Landverbrauch ist eines der größten ungelösten Umweltprobleme. Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Unser täglich Brot wächst nicht auf Asphalt und Beton. Wir stehen da mit der Landwirtschaft Hand in Hand. Sehr positiv sieht der BN in diesem Zusammenhang das Flächenrecycling der gKU Winterling-Immobilien, alte Fabrikgebäude der Porzellanindustrie wieder mit Leben zu erfüllen.

Sehr kritisch bewertet der BN den geplanten Bau der beiden Stromautobahnen HGÜ und Ostbayernring. Es drohen massive Landschaftsveränderungen und Gesundheitsgefährdungen. Das tut besonders weh, weil wir im Landkreis im Gegensatz zu weiten Teilen Südbayerns, energiepolitisch unsere Hausaufgaben gemacht und ein dezentrales Energiekonzept realisiert haben.

Hintergrund: In der Energiepolitik fehlt ein klarer Masterplan. Die Energiewende wurde von Bund und Land stümperhaft umgesetzt. Es ist und bleibt ein Märchen, dass Windstrom aus dem Norden in den Süden transportiert werden muss. Für den BN steht fest: Die Stromautobahnen sollen gebaut werden, damit die riesigen Stromkapazitäten der internationalen Konzerne transportiert werden können. Ein Freihandelsabkommen für den europäischen Stromhandel sozusagen. Für den Netzbetreiber Tennet ist das wie eine Geldruckmaschine: Von jedem Euro Umsatz erhält der holländische Konzern 20 Cent Gewinn. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Stromkunden.

HGÜ: Es fehlt immer noch die Begründung, dass diese Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungstrasse überhaupt gebraucht wird. Der Bau der unterirdischen Kabeltrasse stellt einen erheblichen Eingriff in unsere Böden und Landschaft dar. Das Fichtelgebirge hat einen extrem hohen Raumwiderstand. Für den BN wäre es ein Wahnsinn, die Trasse diagonal durch den Naturpark Fichtelgebirge zu schlagen. Wir hoffen, dass unser Kreistag das Projekt noch stoppen kann. Wir stehen fest an der Seite der Bürgerinitiativen. Wenn das Projekt nicht verhindert werden kann, dann sollte, „als kleineres Übel“, zumindest eine Bündelung mit den Autobahnen durchgesetzt werden. Wir sind gespannt wie sich Herr Aiwanger mit seiner Forderung nach einem Stopp der HGÜ-Leitung in München einbringen wird.

Kritisch sieht der BN auch die Pläne des Ostbayerrings. Ursprünglich war von einer „Ertüchtigung“ die Rede, nun kommt ein Neubau mit 2,5- facher Leistung auf uns zu. Beantragt ist eine Übertragungsleistung von 2,8 Gigawatt, es könnten aber auch 5 Gigawatt werden, befürchtet der BN. Denn mit 5 Gigawatt Leistung kommt die Thüringer Strombrücke in Redwitz an. Dort beginnt der Ostbayernring. Es ist zu befürchten, dass man die Gelegenheit beim Schopf ergreift und Ostbayernring und HGÜ aus betriebswirtschaftlichen Gründen in die gleiche Schneise legt.

Klima extrem: Dürre und Überflutungen

Der Klimawandel hat in diesem Jahr voll durchgeschlagen: Nach der Frühjahrs- und Sommertrockenheit haben wir jetzt auch noch eine Herbsttrockenheit. 2018 war ein extremes Dürrejahr. Viele Quellen, Bäche, Teiche und Tümpel sind ausgetrocknet, selbst die Moore im Fichtelgebirge sind trocken wie noch nie. Eine extreme Schädigung der Ökosysteme ist zu befürchten. Die Grundwasserspiegel sind stark gefallen. Es wird kritisch, wenn jetzt auch noch ein trocken-kalter Winter kommt. Durch die Trockenheit findet kaum eine Infiltration des Regenwassers statt. Und zwischendurch kann es zu sintflutartigen Regengüssen kommen, so wie in Arzberg an Fronleichnam.

„Aber das schlimmste dabei ist: Es passiert politisch so gut wie gar nichts“. Die Politik schaut weg, offenbart eine erschreckende Hilflosigkeit. Man beschäftigt sich entweder mit Asylanten, Dieselfahrzeugen oder mit sich selbst. Das Thema wird ausgeblendet und man freut sich über das schöne Biergartenwetter. Auch wenn das Fichtelgebirge zu den Gewinnern des Klimawandels zählen könnte: Es müssten auch bei uns die Alarmglocken schrillen. Wir brauchen einen Masterplan, eine klare Agenda, wie sich Staat und Gesellschaft auf diese Wetterextreme, die Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Wasserversorgung und kommunale Infrastruktur gleichermaßen betreffen, künftig einstellen sollen.

Das Gebot der Stunde muss dringendst heißen: Wasserrückhaltung und Renaturierung, Rückbau der Landschaft, sowie eine bodenschonende Bewirtschaftung in Hanglagen. Konkret heißt das: Anlage von Rainen und Hecken. Renaturierung und Wasserrückhaltung an den Fließgewässern, besonders an den begradigten Bächen. Schaffung von natürlichen Retentionsräumen. Fruchtfolgen und kein Maisanbau mehr in Hanglagen. Auch die Wiedervernässung ehemaliger Moorgebiete spielt hier eine große Rolle. Damit könnte auch eine Wiedergutmachung an der Natur eingeleitet werden.

Ein guter Ansatz zur Problemlösung ist das Projekt „Boden:ständig“, eine landesweite Initiative von Gemeinden und Landwirten zum Schutz von Boden und Gewässern.

Aber ob das ausreichten wird? Der effektivere Ansatz wäre die Durchführung von Sonderverfahren der Ländlichen Entwicklung mit ökologischer Zielsetzung. Die Ländliche Entwicklung ist das geeignete Instrument, die erforderlichen Flächen über ein Umlageverfahren bereit zu stellen.

Dem Wald geht es schlecht. Galt die Fichte bis in jüngste Vergangenheit noch als zukunftsträchtige Baumart, muss man sich in Zukunft um ihren Erhalt Sorgen machen. Sollte der Winter niederschlagsarm und früh sehr kalt werden, ist mit weiteren Ausfällen durch Trockenheit und Käferbefall zu rechnen. Wie das aussehen kann, ist beim Nachbarn in Tschechien zu beobachten. Im kommenden Jahr wird hier mit einem Schadholzanfall von 20 Mio. Kubikmeter Käferholz gerechnet. Damit ist der Klimawandel in Form von Preisverfall auf dem Holzmarkt auch volkswirtschaftlich bei und spürbar geworden. Es ist zu befürchten, dass selbst große, vorbildlich wirtschaftende Firmen wie die Bayerischen Staatsforsten in den kommenden Jahren wieder um Finanzhilfen beim Staat bitten müssen.

Arten und Insektensterben: Das Thema geht alle an

Ein zentrales Anliegen des Bundes Naturschutz ist der Erhalt der Artenvielfalt. „Schöpfung bewahren“ ist für etliche Naturschützer Credo und Antrieb für ihr Engagement.

Es ist eine tieftraurige Entwicklung, dass unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten seit gut 40 Jahren massiv zurückgedrängt werden. Jede zweite Art steht heute bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Immerhin ist das Thema jetzt endlich in der breiten Öffentlichkeit angekommen.

Doch auch hier müssen wir anklagen: es passiert politisch viel zu wenig, das Sterben unserer Tiere und Pflanzen zu stoppen. Schutzwürdige Biotope stehen allzu oft dem Fortschritt im Weg. Wir wünschen uns Politiker, die auch mal das Zauberwort Biotop verantwortungsvoll in den Mund nehmen (aufgemerkt: bíos heißt „Leben“ und tópos heißt „Ort“, also Lebensraum einer Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren).

Wir wünschen uns Politiker und Bürgermeister, die stolz sind auf ein Feuchtgebiet in ihrer Gemeinde, stolz auf Arnika, Bläulinge und den Schwarzstorch. Und nicht Bürgermeister, die sich beim Spatenstich und Durchschneiden von Bändchen wie kleine Kinder freuen.

Meist wird ja danach wieder ein Stück Natur dem Erdboden gleichgemacht.

Ein positiver Ansatz ist der Arbeitskreis „Blühendes Fichtelgebirge“, der mit vielen Akteuren versucht, die Biodiversität (Artenvielfalt) in den Bereichen Landwirtschaft, Privatgärten, Kommunen, gewerblichen Flächen zu fördern. Dass sich Bad Alexandersbad um die seltene Knoblauchkröte kümmert, finden wir bemerkenswert.

Fazit:

Der Bund Naturschutz ist ein unverzichtbares Element zum Schutz und Erhalt unserer Natur- und Kulturlandschaft Fichtelgebirge. Der Bund Naturschutz versteht sich als politisch und wirtschaftlich unabhängiger Anwalt der Natur und ist Ankläger, Schützer und Gestalter in einer Funktion.

Der Bund Naturschutz ist mehr gefordert denn je, denn die Herausforderungen an unsere Zukunft werden nicht weniger. Klimawandel, Flächenverbrauch, Energiewirtschaft, Artensterben, Umweltbildung sind nur einige Themen, die unseren Weg bestimmen werden.