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Die Rückkehr des Burgherrn

Der Biber ist ein Meister des Dammbaues

mit vielfältigen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, den Rückhalt des Wassers in der Fläche, den Grundwasserspiegel. Die Nachteile seiner Arbeit sind für manchen Landwirt unerfreulich, doch sein Nutzen überwiegt bei Weitem den Schaden, den er verursacht. Der Bund Naturschutz ist sehr bemüht betroffenen Landwirten oder Anwohnern von Biberrevieren Unterstützung bei der Eingrenzung der Nachteile zu geben. Auch seitens der Naturschutzbehörden werden Hilfen angeboten.

Keine invasive Verbreitung des Bibers möglich

Die Vermehrungsart des Bibers und die damit verbundene Revierverteilung lässt eine invasive Verbreitung nicht zu. Überpopulationen wie bei Wildschwein oder Otter sind unmöglich und damit lassen sich auch die Schäden eingrenzen.

Klimaerwärmung und Wasserrückhalt – der Biber arbeitet auch für uns Menschen

Im Zug der Klimaerwärmung sind die Tätigkeiten des Bibers mehr als hilfreich. Vielfach werden dadurch Eingriffe des Menschen, d.h. Wasserrückhalt durch Stauungen, Hochwasserdämme usw. nicht nötig. Der Biber macht das alle kostenlos, gewissenhaft und mit der ihm gegebenen Intuition. Sehen wir ihn einfach als Freund des Menschen !!!

 

02.02.2021

Detaillierte Beschreibung (Alfred Terporten-Löhner)

Ursprung des Bibers

Der Biber (castor fiber) hat seinen Namen aus dem Indogermanischen und bedeutet so viel wie „braun“ bzw. der Braune. Er gehört der Klasse der Säugetiere und der Ordnung der Nagetiere an. Es gibt zwei Arten des Bibers, den Europäischen Biber und den Kanadischen Biber. Nicht zu verwechseln ist der Biber mit dem Bisam, der aus der Familie der Mäuseartigen bzw. Wühlmäusen stammt oder der Nutria, der aus der Familie der Biberratten stammt.

Aussehen und Lebensgewohnheiten des Bibers, er ist tagscheu und selten zu sehen

Er erreicht mit ein Meter Länge und einem Gewicht von 25-35 kg eine beachtenswerte Größe unter den Nagetieren. Seine mittlere Lebenserwartung liegt bei ca. 8 Jahren. Er lebt in monogamer Dauerehe und paart sich in den Monaten Januar bis März. In der Regel beträgt die Wurfgröße 2-3 Jungtiere. Es wird nur ein Wurf pro Jahr geboren. 90 % seiner Zeit verbringt der Biber an Land. Im Wasser hält er sich ca. 2-3 Stunden auf. Er ist reiner Vegetarier und hält keinen Winterschlaf. Auffällig ist sein Schwanz, der zu einer breiten Kelle ausgebildet ist und unterschiedliche Funktionen wahrnimmt. Er dient als Antriebskörper und zur Balance im Wasser. Auch zur Kommunikation wird er eingesetzt. Außerdem dient er als Fettspeicher und Wärmeregulator. Zum Antrieb benutzt der Biber auch seine Hinterpfoten, die mit Schwimmhäuten ausgestattet sind. Die fünfgliedrigen Vorderpfoten werden zum Halten und zum Graben benutzt. Er hat dort dem zu Folge keine Schwimmhäute.

Was ihn für den Pelzjäger so interessant gemacht hat, sind seine vielen Haare, pro Quadratzentimeter. Ca. 23000 Haare findet man auf einem Qudratzentimeter. Wir Menschen können nur mit maximal 300 Haaren pro Quadratzentimeter aufwarten (manche auch viel weniger). Die meisten Haare pro Quadratzentimeter hat allerdings der Fischotter (50000/Quadratzentimeter).

Der Biber hat einen sehr guten Geruchssinn. Auch sein Gehörsinn ist gut ausgebildet und erlaubt die Tonaufnahme auch unter Wasser. Sein Sehvermögen ist allerdings nicht so gut ausgeprägt und er vermag nur Grautöne wahrzunehmen. Beim Schwimmen liegen Nase, Augen und Ohren auf einer Linie über Wasser.

Hauptmerkmal eines Nagetieres sind seine Schneidezähne

Besonders auffällig sind auch seine Schneidezähne, die durch Eiseneinlagerungen besonders gehärtet sind. Die Schneidezähne wachsen ständig nach und sind deshalb wurzellos. Er kann auch unter Wasser fressen. Der Biber ernährt sich von über 300 verschiedenen krautigen Pflanzen, die in oder am Wasser vorkommen. Bei der Nahrungssuche entfernt er sich nicht weiter als 200 Meter vom Gewässer.

Wenn er Baumrinde zu sich nimmt, dann sind zwei Drittel der gefällten Bäume kleiner als 5 cm im Durchmesser. Ein Drittel kann allerdings auch bis zu 90 cm Durchmesser haben. „Zielfällungen“ sind nicht möglich, aber „Arbeitsunfälle“ kommen nur selten vor. Für den Winter legt er Nahrungsflöße aus Zweigen an. So kommt er ohne Winterschlaf gut durch die kalte Jahreszeit.

Der Biberbau, Zentrum seines Reviers

Das Zentrum des Biberreviers bildet der Biberbau. Hier verbringt er die meiste Zeit seines Lebens. Der Eingang liegt immer unter Wasser, der Wohnkessel immer darüber. Biberburgen können imposante Bauwerke sein, die eine Höhe von drei Metern erreichen können. Es gibt aber auch Wohnhöhlen die im Uferbereich nur spärlich mit Ästen abgedeckt werden und eher unscheinbar sind. Eine Biberburg friert niemals durch und wird im Winter mit Schlamm und Schnee isoliert. Das Innenklima ist trocken und liegt im Sommer immer zwei Grad unter der Umgebungstemperatur. Die Burg ist ansonsten gut durchlüftet. Im Sommer durch die Außenwand im Winter durch ein Entlüftungsloch. Als Baumaterial dienen Äste, Wurzelstöcke und Schlamm.

Der Biber ist Landschaftsgestalter zu seinen Gunsten, aber auch zum Nutzen des Menschen

Der Biber verändert die Landschaft zu seinen Gunsten. Der Biberdamm staut den Wasserkörper an und schafft somit Fluchtmöglichkeiten und Transportwege für das Nahrungsmaterial in der Umgebung. Viele Arten wie Fischotter, Schwarzstorch, Eisvogel, Wasserralle, Seeadler, Schlangenarten und Fische profitieren von seiner Bautätigkeit. Außerdem kommt es zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels.

Modetrend sorgte für die Ausrottung des Bibers in Mitteleuropa

Bis vor ein paar Jahrzehnten war Europa fast biberfrei. In Mitteleuropa überlebten nach starker Verfolgung zu Nahrungs- und Pelzzwecken, nur wenige Exemplare an der Elbe. Auch der Kanadische Biber wurde intensiv verfolgt und erlegt. Die Gründe sind überwiegend in der Mode des 17. Jahrhunderts zu suchen. Biberfellmützen und Biberkragen standen zu dieser Zeit hoch im Kurs. Außerdem war der Biber leicht zu erbeuten. Die katholische Kirche erklärte den Biber kurzerhand zum Fisch, um ihn in der Fastenzeit problemlos essen zu können. Der Preis eines guten Biberhutes lag damals in der Höhe eines Monatslohns und galt als Standesmerkmal. So sorgte ein Modetrend fast für die Ausrottung einer ganzen Tierart in Europa. Erst billigere Materialien wie Kaninchenfelle oder Seide, beendeten das Massensterben der Nager.

Medizin aus dem Biber

Andere Komponenten des Bibers taten ihr Übriges um die Populationen weiter zu dezimieren. Das bekannte „Bibergeil“ galt als wirksames Schmerzmittel und wurde aus einer Drüse in der Nähe der Kloake gewonnen. Im 19. Jahrhundert kostete ein Drüsenpaar bis zu 400 €. Es soll auch als Vorläufer des Potenzmittels „Viagra“ zu Ruhm gekommen sein.

Heute leben wieder über 9000 Biber in Westen Deutschlands

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren nur noch 1000-2000 von ursprünglich 100 Millionen Bibern übrig. In Deutschland hatten nur ca. 200 Tiere überlebt. Heute leben wieder über 12.000 Tiere allein in Bayern.

Die Feinde des Bibers

Die natürlichen Feinde des Bibers sind Krankheiten wie Tuberkulose, Verkehrsunfälle, Verletzungen nach Revierkämpfen, Greifvögel, Mink oder Fuchs und die illegale Jagd. Großräuber wie Bär oder Wolf haben keinen Einfluss auf die Population.

Keine grenzenlose Vermehrung der Biberpopulation möglich

Eine Biberpopulation kann sich nicht grenzenlos vermehren, weil die Reviere abgegrenzt sind und nur eine Familie aufnehmen können. Jungtiere sind zur Abwanderung gezwungen. Revierkämpfe sind häufig. Jungtiere verlassen nach dem 2. Winter das elterliche Gebiet.

Jagdrecht und Schutz des Bibers

Der Biber unterliegt nicht dem Jagdrecht und ist streng geschützt. Bei auftretenden Problemen sind die Naturschutzbehörden gefragt. Neben technischen Verbauungsmaßnahmen, ist auch das Abfangen und die Tötung eines Bibers nach Freigabe durch die Naturschutzbehörde möglich. Zuerst sind allerdings alle anderen Möglichkeiten einer Konfliktlösung anzustreben. Dazu zählen auch Ausgleichmaßnahmen. Jäger sollten ein starkes Interesse am Biber haben. Durch seine Wasserbautätigkeiten bereichert er die Landschaft durch die Schaffung neuer Biotope und erhöht damit die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen.