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BN fordert eine neue Politik der Wasserrückhaltung und des Rückbaus in der Landschaft

„Die Folgen des Klimawandels werden immer heftiger. Wir brauchen eine grundlegend neue Politik der Wasserrückhaltung und des Rückbaus unserer Agrarlandschaft“, fordert der Bund Naturschutz in einer Presseerklärung. Durch die deutliche Erwärmung der Luftmassen hat sich die Situation erheblich verschärft. Schnell kann wie in Arzberg zu Fronleichnam, ein Gewitterguss zur Katastrophe werden. Existenzen sind bedroht.

BN fordert eine neue Politik der Wasserrückhaltung und des Rückbaus in der Landschaft

Der Klimawandel ist eindeutig. Die Wetterextreme nehmen zu.

13.06.2018

„Eine Unwetterkatastrophe wie in Arzberg kann jede Kommune treffen“
Die meisten Kommunen im Landkreis sind auf ein solches Ereignis nicht vorbereitet. Der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking hat angesichts der schrecklichen Ereignisse in seiner Stadt eine „große Lösung“ gefordert, „ein Überdenken des gesamten Systems“. Das sieht auch der Bund Naturschutz so. „Wir brauchen eine grundlegend andere Wasserpolitik, einen ökologischen Rückbau der Landschaft in gefährdeten Gebieten und eine bodenschonende Bewirtschaftung in erosionsgefährdeten Hanglagen.“

Klimawandelist eindeutig

Jetzt müsste auch dem letzten Zweifler klar sein: Der Klimawandel schreitet voran, die Folgen werden auch bei uns immer heftiger. Es ist deutlich wärmer geworden. Der April war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch der Mai war deutlich zu warm, mit 14,4 Grad im Monatsmittel mehr als drei Grad über dem langjährigen Monatsmittel. Durch die Erwärmung kann die Luft viel mehr Wasser aufnehmen und bei einem Gewitter kommt das in Form von sintflutartigen Regengüssen, Hagel und Sturm urplötzlich heruntergeprasselt. Dann gibt es für das Wasser kein Halten mehr. Von den Hängen saust das Wasser ungebremst zu Tal, weil Raine, Ranken und Hecken fehlen. Und in den meist begradigten Bächen und Auen fließt das Wasser viel zu schnell ab, weil Feuchtgebiete und natürliche Hochwasserrückhalteräume beseitigt worden sind. Durch den Umbruch von Wiesen, Maisanbau in Hanglagen und die weiterhin ungebremste Flächenversiegelung wird die Situation noch verschärft. Urplötzlich auftretende Hochwässer und Schlammlawinen sind die Folge.

Verfehlte Politik der „Wasseraustreibung

Seit über 50 Jahren wird unsere Kulturlandschaft nivelliert, begradigt und bereinigt. Das Wasser wird überall, auch in den Siedlungen möglichst schnell abgeleitet. In den Flurbereinigungsverfahren der 1960er bis 1980er Jahre wurden in großem Umfang Kleinstrukturen in der Landschaft beseitigt und Feuchtgebiete drainiert. Etliche Bäche im Fichtelgebirge wurden schon in den 1920er und 1930er Jahren kultiviert und völlig begradigt. Diese „Politik der Wasseraustreibung“ ging erst Mitte der 1980er Jahre im Fichtelgebirge zu Ende. Natürlich musste die Agrarstruktur den modernen Bedürfnissen angepasst werden, aber es wurde vielerorts über das ökologisch vertretbare Maß hinausgeschossen, stellt der BN fest.

Rückbau und Renaturierung

Das Gebot der Stunde muss dringendst heißen: Rückbau der Landschaft, Wasserrückhaltung und Renaturierung sowie eine bodenschonende Bewirtschaftung in Hanglagen. Konkret heißt das: Anlage von Rainen, Hecken und Feldgehölzen. Renaturierung und Wasserrückhaltung an den Fließgewässern, besonders an den begradigten Bächen. Schaffung von natürlichen Retentionsräumen. Fruchtfolgen und kein Maisanbau mehr in Hanglagen. Auch die Wiedervernässung ehemaliger Moorgebiete spielt hier eine große Rolle. Damit könnte auch eine Wiedergutmachung an der Natur eingeleitet werden.

Flächenversiegelung überdenken

Jede neue Flächenversiegelung muss gründlich überdacht werden. Großprojekte wie z.B. die kürzlich angedachte Papierfabrik bei Bernstein, hätten dramatische Folgen auf den Wasserhaushalt. Mit 10 Hektar Flächenversiegelung pro Tag hält Bayern zudem immer noch die Spitzenposition des Flächenverbrauchs in der Bundesrepublik.

Lösungsansatz: Dialog und Runde Tische

Notwendig ist ein breiter Dialog von Politik, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Natur- und Katastrophenschutz. Im Prinzip sollte in jeder Kommune ein „runder Tisch“ mit allen relevanten Akteuren eingerichtet werden. Der Bund Naturschutz würde sich hier gerne mit seinem Sachverstand einbringen. Berührungsängste sind hier völlig unbegründet. Ein guter Ansatz zur Problemlösung ist das Projekt „Boden: ständig“, eine landesweite Initiative von Gemeinden und Landwirten zum Schutz von Boden und Gewässern. Aber ob das ausreichten wird?

Sonderverfahren der Ländlichen Entwicklung

Der weitreichendere Ansatz wäre die Durchführung von Sonderverfahren der ländlichen Entwicklung (nach § 86 Flurbereinigungsgesetz) mit ökologischer Zielsetzung in gefährdeten Gebieten, regt der Bund Naturschutz an. Durch ein umsichtiges Flächenmanagement könnten die erforderlichen Grundstücke bereitgestell werden.  Ein erster Schritt wäre eine ökologische Vorstudie, um zu ermitteln, welche Kommunen und Ortsteile durch Starkregen und Hochwässer besonders gefährdet sind.