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Biotopverbund Dangesbachtal bei Thierstein

BN erforscht die Ökologie im Dangesbachtal bei Thierstein „Das Tal hat ein großes Entwicklungspotential“. Im Dangesbachtal östlich des Marktes Thierstein gibt es noch eine ganze Reihe seltener Tier- und Pflanzenarten. Zahlreiche Wiesen werden naturverträglich bewirtschaftet. Aber neben dem Licht gibt es auch Schatten, wie die Begradigung des Bachlaufs vor 90 Jahren. Eine ganze Reihe von Verbesserungen für die Artenvielfalt sind möglich. Das Tal hat ein großes Potential.

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Blick vom Thiersteiner Burgberg über das Dangesbachtal zum Steinberg.

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Der Dangesbach wurde im Rahmen der „Kultur“ 1926-1930 in einen monotonen Vorfluter zur Wasserableitung verwandelt

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Biotopwiese des BN mit artenreicher Pechnelken-Wiesenhafer-Gesellschaft am Basaltknock

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Das stark gefährdete Braunkehlchen ist nur noch zur Zugzeit zu beobachten

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Im Dangesbachtal dominieren relativ artenarme Rotschwingel-Rotstraußgraswiesen

Dangesbachprojekt der BN-Kreisgruppe Wunsiedel

Sehr selten geworden ist der Violette Feuerfalter Lycaena alciphron

09.11.2017


Fachgutachten "biotopverbund Dangesbachtal"

So lautet das Fazit eines Fachgutachtens, das Karl Paulus jetzt fertiggestellt hat. Der Diplomingenieur der Landespflege hat in monatelanger Arbeit die Biotope, Flora und Fauna in dem drei Kilometer langen Tal von Wäschteich im Süden bis Dangesbühl im Norden analysiert, katalogisiert und bewertet sowie Umsetzungsmaßnahmen konzipiert. Gut 350 Arbeitsstunden hat der Experte seit März diesen Jahres in die Arbeit investiert. Am 2. November konnte er das erste Exemplar an BN-Kreisvorsitzenden Fred Terporten-Löhner überreichen. Das mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt Wunsiedel abgestimmte Projekt „Biotopverbund Dangesbachtal“ wird vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale zu 85 Prozent gefördert.

Erfassung der Pflanzengesellschaften im Dangesbachtal bei Thierstein

Eine unverzichtbare Grundlage für die Beurteilung der ökologischen Situation ist die Erfassung der Vegetation und Pflanzengesellschaften. Die Vegetation stellt gleichsam einen „Superindikator“ dar zur Beurteilung des ökologischen Gebietszustands. Paulus hat dazu eine pflanzensoziologische Kartierung des Grünlands durchgeführt. Im Dangesbachtal vorherrschend sind relativ magere Rotschwingel-Rotstraußgraswiesen. Botanisch wertvolle Standorte befinden sich im Bereich der Basaltüberdeckungen im nahe dem Schlößlein sowie am Basaltknock im Osten des 180 Hektar großen Bearbeitungsgebiets. Es sind Magerrasen mit der seltenen „Pechnelken-Wiesenhafer-Gesellschaft“ sowie Reste basenreicher Orchideenwiesen. An gefährdeten Pflanzenarten wurden u.a. Katzenpfötchen, Mondraute, Buschnelke, Sonnenröschen, Jasione und Breitblättriges Knabenkraut erfasst. Es wurden acht Gebiete mit schutzwürdigen Biotopen kartiert, immerhin sechs Prozent der Gebietsfläche.

Avifauna und Tagfalter im Dangesbachtal

Sehr intensiv wurde im Frühjahr und Sommer die Vogelwelt im Dangesbachtal untersucht. Der Gutachter hat insgesamt 74 Vogelarten erfasst. Darunter befinden sich 44 Brutvögel, 26 Arten stehen auf der Roten Liste Bayern. Erfreulich ist das noch häufige Vorkommen von Feldlerche, Wachtel und Goldammer – Arten des Offenlandes, die in vielen Teilen Bayerns bereits verschwunden sind. Bemerkenswert ist auch das häufige Vorkommen gefährdeter und zugleich hoch attraktiver Gastvögel wie Schwarzstorch, Rohrweihe und Rotmilan. Auch ausgesprochene Raritäten wie Raubwürger, Baumfalke und Flußuferläufer konnten nachweisen werden. Gravierend ist die Situation allerdings bei den Wiesenbrütern: Braunkehlchen, Wiesenpieper, Bekassine und Kiebitz konnten zwar zur Zugzeit beobachtet werden, aber es konnte 2017 trotz intensiver Beobachtung kein einziger Brutplatz der gefährdeten Wiesenbrüter entdeckt werden.

Paulus hat im Dangesbachtal 44 Tagfalterarten festgestellt, darunter auch besondere Arten wie Schwalbenschwanz, Großer Permuttfalter und Violetter Feuerfalter. Allerdings handelt es sich durchwegs um nur kleine Populationen. Für die Wiesenfauna wirkt es sich sehr negativ aus, dass an wenigen Tagen große Wiesenflächen auf einmal gemäht und abgefahren werden.

Bewertung und Konzeption des Glücksspirale-projektes

Es gibt noch eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten im Dangesbachtal, aber nur noch in kleinen Beständen. Durch die Begradigung und Tieferlegung des Dangesbachs im Zuge der „Kulur“ 1926 bis 1930 mangelt es an Feuchtwiesen,Tümpeln, Brachestreifen und Gehölzstrukturen. Notwendig ist eine stärkere Differenzierung des Grünlands durch Brachestreifen, unterschiedliche Schnittzeitpunkte und einzelne Heckenstrukturen.

Der Verfasser hat in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche mit Grundbesitzern und Pächtern geführt. Fazit: Es herrscht durchaus Verständnis für Fragen des Naturschutzes. In den nächsten Jahren können auf mindestens 15 Flächen Verbesserungen für die Artenvielfalt erreicht werden. „Ein Traum wäre natürlich die Renaturierung des Dangesbachs, zumindest in einem größeren Abschnitt.“ Das wäre jedoch nur im Rahmen eines Verfahrens der Ländlichen Entwicklung möglich. Durch umsichtiges Flächenmanagement könnten die Talwiesen in öffentliches Eigentum übergeführt werden. Das wäre die entscheidende Voraussetzung. Neben der Verbesserung der Gewässerökologie und der Hochwasserrückhaltung könnte auch die Attraktivität des Dangesbachtals für den Tourismus enorm aufgewertet werden.

Dank für Projektförderung an den bayerischen Naturschutzfonds

BN-Kreisvorsitzender Fred Terporten-Löhner bedankte sich beim Verfasser für die sehr gründliche Arbeit. Auf dieser Basis könne das Dangesbachtal zu einem echten Kleinod weiter entwickelt werden. „Das Tal hat wirklich ein großes Potential“. Terporten-Löhner dankte auch dem Bayerischen Naturschutzfonds für die hohe Förderung des Gutachtens aus Mitteln der Glücksspirale. Das ist eine super Sache. Der Kreisvorsitzende hebt besonders hervor, dass für die Gemeinde Thierstein eine einmalige Chance besteht, ein überörtlich bedeutsames Biotopverbundsystem zu schaffen. Der jetzt schon gut besuchte Wohnmobilstellplatz könnte damit eine weitere Aufwertung erfahren. Dies würde sich auch positiv auf die örtliche Wirtschaft auswirken. Die Gemeinde Thierstein würde damit auch einen Trend gegen das Artensterben in unserer heimischen Flur setzen. Kleinlebewesen wie Insekten aber auch vielen Vogelarten würde eine ökologische Aufwertung enorm helfen können.