Aktionsbündnis Fichtelgebirge/Steinwald gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost (Stromautobahn) "Der Widerstand wächst weiter"

Sachstandsbericht Karl Paulus.

Am 02.04.2014 hat sich im mittelfränkischen Plech ein landesweites Aktionsbündnis gegen die äußerst umstrittene Gleichstrompassage Süd-Ost gegründet.

16.04.2014

Vorweg wichtige Termine:

Am Samstag, 17. Mai in Nürnberg wird auf dem Kornmarkt (voraussichtlich um 11.00 Uhr) eine Großkundgebungdes landesweiten Aktionsbündnisses stattfinden wird.

Am 28./29. Juni werden entlang der gesamten StromtrasseAktionen aller Initiativen stattfinden. Es wird wieder eine gemeinsame Großaktion geplant.

Schon mehrfach wurde angeregt, aus dem Aktionsbündnis heraus eine BürgerinitiativeFichtelgebirge gegen die Stromautobahn zu gründen, um das Thema intensiver zu beackern.

Das nächste Treffen findet Anfang Juni statt.

 

An dem Abend, moderiert von Andrea Carl aus Betzenstein, Bettina Frenzke und Werner Merkel aus Altdorf, herrschte eine beeindruckendeAufbruchstimmung für einen wachsenden, sehr kreativen, landesweiten Widerstand. Immer mehr Bürgerinitiativen formieren sich entlang der 450 Kilometer langen HGÜ-Leitung von Bad Lauchstädt bei Halle bis Meitingen nördlich von Augsburg. In dem landesweiten Aktionsbündnis haben sich in Plech schließlich 40 Initiativen zusammengeschlossen, um die politische Schlagkraft gegen die umstrittene Stromtrasse zu erhöhen.

Einhelliger Tenor des Treffens war, das Projekt grundsätzlich zu verhindern, weil inzwischen klar geworden sei, dass mit der Stromtrasse nicht Windstrom sondern Braunkohlestrom aus Sachsen-Anhalt nach Süddeutschland transportiert werden soll. Dadurch würden Großstrukturen im Energiebereich gefestigt, die dezentrale Energiewende würde ausgebremst. Es wurde vereinbart, einen engen Schulterschluss mit Kommunen und Verbänden wie dem Bund Naturschutz anzustreben. Mehrere Redner forderten, dass sich das Bündnis bei Ministerpräsident Seehofer bedanken solle, weil er das umstrittene Projekt einstweilen "auf Eis" gelegt habe. Markus König aus Kulmain berichtete von einer bestens gelungenen Fackelaktion "Die Trasse brennt" am 29. März in Kulmain mit mehr als 700 Teilnehmern. Das landesweite Aktionsbündnis verständigte sich auf eine Vielzahl von Aktionen. Am 5. Mai will man bei einem Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ingolstadt Flagge zeigen. Weitere Infos unter www.stromautobahn.de

Aktuelle Entwicklung

Am 11.04.2014 war in der Frankenpost zu lesen, dass die Ausbaupläne des Atomkraftwerks Temelin "vorerst" gestoppt worden seien. Wegen des niedrigen Strompreises an den Energiebörsen rechne sich die Investition nicht mehr, gab der tschechische Stromkonzern CEZ bekannt. Die Regierung des Sozialdemokraten Bohuslav Sobotka soll es abgelehnt haben, den Ausbau der Kernkraft über staatlich garantierte Abnahmepreise für Atomstrom zu subventionieren.

Am Tag darauf war der Presse zu entnehmen, dass der Netzwerkbetreiber Amprion nun eine Trasse entlang der A9 bevorzuge. Man sehe nun auch die Möglichkeit, die Stromtrasse streckenweise unter die Erde zu legen.

Ein Schelm, wer dabei böses denkt! Schließlich haben wir gemutmaßt, dass der "ominöse Schwenk" der Stromtrasse quer durch die Naturparke Fichtelgebirge und Steinwald nur mit einem Anschluss an das tschechische Stromnetz logisch zu begründen sei.

Mit der Trassierung der HGÜ-Leitung entlang der A9 könnte ohne Zweifel eine erhebliche Schädigung der wertvollen Naturparke abgewendet werden, aber wir sollten in unserem grundsätzlichen Widerstand gegen das Projekt nicht nachlassen. Denn die Stromtrasse ist ja grundsätzlich in Frage zu stellen. Somit stellt auch eine mögliche Erdverkabelung keine realistische Option dar. Und zweitens können wir uns auf das "Bäumchen-Wechsel-dich-Spiel" von Amprion wirklich nicht verlassen. Und wer weiß schon, was in ein paar Monaten die sogenannte Vorzugstrasse sein wird? Das Ding mit der Stromtrasse ist ja eine einzige Lügengeschichte.

Daher ist es wirklich super, dass in unserer Region ein breiter, überparteilicherWiderstand gegen das Projekt existiert, der ja bei unserer Großkundgebung in Marktredwitz mit 2.500 Menschen sehr eindrucksvoll sichtbar geworden ist.

Die Dimension der Stromautobahn

Die geplante HGÜ-Leitung ist weitaus mächtiger als die bestehenden Starkstromleitungen. Bisherige Strommasten sind rund 30m hoch und 10m breit. Die Masten der Gleichstromtrasse sollen über 70m hoch und 40m breit sein. Der Abstand von Mast zu Mast soll 300m sein. Da die Ausmaße optisch massiv und bedrohlich erscheinen, warnen viele Initiativen auch vor der "Monstertrasse". Wenn die Trasse diagonal durch unsere Naturparke Fichtelgebirge und Steinwald geschlagen würde - auf 60 Kilometer Länge! - entstünde in der Tat eine schwere Schädigung der Naturparke und des Tourismus. Der Tourismus bringt allein im Fichtelgebirge eine Wertschöpfung von fast 500 Millionen Euro im Jahr.

Wie geht es weiter?
Wir dürfen in unserem Widerstand keineswegs nachlassen.

Die einzelnen Gruppen unseres großen Aktionsbündisses werden gebeten, ihre Mitglieder über die ganze Unsinnigkeit und Widersprüchlichkeit des Projekts zu informieren. Renommierte Wissenschaftler wie Professor Christian von Hirschhausen vom DIW Berlin und Professor Dr. Jarass von der Hochschule RheinMain sind der festen Überzeugung, dass mit dieser HGÜ-Leitung vor allem Braunkohlestrom nach Süddeutschland transportiert werden soll. Durch die Stromtrasse würden zentrale Energiestrukturen gefestigt, der Klimaschutz konterkariert und die dringend notwendige Energiewende blockiert.

Der BUND hat bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft im Mai 2013 Beschwerde eingelegt, weil bei der Aufstellung des Bundesbedarfsplans die regionalen Potenziale der Energiewende unzureichend berücksichtigt wurden bzw. weil vernünftige Alternativen in der Strategischen Umweltprüfung (SUP) nicht zum Tragen kamen. Die Begründung des Netzwerksbetreibers Amprion, dass mit der Gleichstrompassage Süd-Ost Windstrom aus dem Norden nach Südbayern transportiert werden soll, ist nichts als eine Farce.

Es besteht durchaus die Hoffnung, dass das gesamte Projekt der Gleichstrom-passage Süd-Ost politisch noch gestoppt wird. Mal sehen, ob sich unser Ministerpräsident Horst Seehofer durchsetzen kann und das Bundesbedarfsplangesetz geändert wird. Das Projekt kann nur durch eine Gesetzesänderung gestoppt werden.

In diesen Tagen geht auch das Schreibenunseres Aktionsbündnisses, wie in Marktredwitz beschlossen, an unsere Bundes- undLandtagsabgeordneten der Region raus (Befragung zu HGÜ). Auf die Antworten darf man sehr gespannt sein.