Immer sprungbereit: Heuschrecken im Fokus
Jürgen Fischer nahm uns am 07. Oktober mit in die Welt der heimischen Heuschrecken, von Springkunst und Gesang bis zu Feinden, Tarnung und bedrohten Arten.
Rund 20 Interessierte folgten am 7. Oktober der Einladung zum Heuschrecken-Vortrag im MAKkultur in Marktredwitz. Referent war Jürgen Fischer, der selbst Bücher über Heuschrecken geschrieben und mit vielen seiner Fotos zum Verbreitungsatlas der Heuschrecken Deutschlands beigetragen hat. Für den Bund Naturschutz hat er bereits mehrfach Insekten-Exkursionen geleitet.
Alles dreht sich ums Springen
Schon der wissenschaftliche Name verrät das wichtigste Merkmal: Die Ordnung Saltatoria leitet sich vom lateinischen „saltare“ für springen ab. Auch das Wort Heuschrecke hat nichts mit Erschrecken zu tun. Es stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „im Heu springen“. Das Sprungorgan ist der kräftige Hinterschenkel. Steuern können die Tiere ihren Sprung allerdings nicht.
In Deutschland leben 85 Arten, in Bayern 73 und im Fichtelgebirge rund 30 bis 40. Wer Heuschrecken bestimmen möchte, sollte zuerst auf die Fühler schauen: Die Einteilung in Langfühler- und Kurzfühlerschrecken teilt die heimischen Arten in zwei etwa gleich große Gruppen. Zu den Langfühlerschrecken gehören übrigens auch die Grillen.
Gesang, Paarung und Speiseplan
Singen können nur die Männchen, um Rivalen fernzuhalten oder Weibchen anzulocken. Langfühlerschrecken reiben dazu ihre Flügel aneinander, Kurzfühlerschrecken streichen mit den Hinterbeinen über die Flügel. Manche Arten gehen eigene Wege: Die Gemeine Eichenschrecke trommelt mit den Füßen auf Blätter. Gehört werden die Töne bei Langfühlerschrecken mit Hörorganen an den Vorderbeinen.
Auch beim Fressen unterscheiden sich die beiden Gruppen deutlich. Kurzfühlerschrecken sind fast alle Vegetarier. Unter den Langfühlerschrecken gibt es dagegen Räuber, die Blattläuse oder sogar andere Heuschrecken erbeuten. Manche Arten nehmen zusätzlich Mineralien auf und fressen dafür Sand.
Feinde und Tricks zur Abwehr
Heuschrecken stehen bei vielen Tieren auf dem Speiseplan, etwa bei Vögeln, Reptilien, Raubfliegen und Spinnen. Die Wespenspinne hat sich regelrecht auf sie spezialisiert. Besonders eindrucksvoll ist ein Pilz namens Entomophaga grylli: Bei warmem, feuchtem Wetter befällt er die Tiere und bringt sie dazu, an Halmen nach oben zu klettern. Von dort verbreiten sich seine Sporen besser.
Zum Schutz setzen Heuschrecken vor allem auf Tarnung. Die Rotflügelige Ödlandschrecke ist auf steinigem Boden kaum zu erkennen und zeigt bei Gefahr plötzlich ihre leuchtend roten Hinterflügel. Die Große Schiefkopfschrecke stellt sich fast auf den Kopf und streckt den Hinterleib nach oben, um größer zu wirken.
Gewinner und Verlierer
Auf der Roten Liste Bayerns gelten nur 37 Prozent der Heuschreckenarten als ungefährdet. Wärmeliebende, mobile Arten wie die Große Schiefkopfschrecke profitieren vom Klimawandel. Arten mit engen Ansprüchen an ihren Lebensraum verschwinden dagegen, etwa Bewohner von Kies- und Sandbänken an Flüssen. Ein Beispiel aus unserer Region ist der Feldgrashüpfer: Vor 20 bis 30 Jahren war er im Fichtelgebirge noch sehr häufig, heute kennt Jürgen Fischer nur noch drei Standorte an denen man ihn finden kann.
Es gibt aber auch Neuankömmlinge. Die Blauflügelige Sandschrecke tauchte 2007 erstmals im Fichtelgebirge auf, gleich an fünf Bahnhöfen. Sie war mit der Bahn eingereist.
Dass gezielte Pflege hilft, zeigt das Projekt InseGdA: Auf den extensiv bewirtschafteten Flächen stieg die Zahl der Heuschreckenarten von 4 auf 14.
Alles in allem war es ein kurzweiliger Abend mit vielen überraschenden Fakten und beeindruckenden Nahaufnahmen, nach dem wohl so mancher Gast beim nächsten Wiesenspaziergang genauer hinhören und hinschauen wird.
Hier erfahren Sie mehr über die Heuschrecken im Fichtelgebirge.





