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Erfolgreiche Amphibienrettung am Schreinersteich – doch Herausforderungen bleiben

Mehr als 1.000 Erdkröten sowie rund 100 weitere Amphibien – darunter Grünfrösche und Molche – wurden eingesammelt und über die Straße getragen.

18.05.2026

Die größte Welle der Amphibienwanderung am Schreinersteich ist vorüber, ganz abgeschlossen ist sie jedoch noch nicht. 

Seit dem 4. März sind freiwillige Helferinnen und Helfer im Einsatz, um Frösche, Molche und vor allem Erdkröten sicher über den Christian-Höfer-Ring zu bringen. Die Bilanz des diesjährigen Einsatzes fällt beeindruckend aus: Mehr als 1.000 Erdkröten sowie rund 100 weitere Amphibien – darunter Grünfrösche und Molche – wurden eingesammelt und über die Straße getragen.

Große Gemeinschaftsleistung

Rund 20 Ehrenamtliche beteiligten sich in diesem Frühjahr an der Aktion und betreuten den Amphibienschutzzaun. Erstmals organisierten sie sich über eine WhatsApp-Gruppe sowie ein Online-Formular, in das sich die Helfer flexibel eintragen konnten. Dank bereitgestellter Ausrüstung wie Eimern, Handschuhen und Warnwesten sowie eines eigens erstellten Erklärvideos fanden sich auch Neueinsteiger schnell zurecht. „Man braucht keine Vorkenntnisse – jede helfende Hand zählt“, betont Johanna Machala, Geschäftsstellenleiterin der Kreisgruppe Wunsiedel.

Wie viel ein einzelner Einsatz bewirken kann, zeigte sich an einem der Hauptwandertage: Helferin Daisy brachte innerhalb mehrerer Stunden mehr als 400 Tiere sicher über die Straße. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man an einem Abend hunderten Tieren das Leben gerettet hat“, berichtet sie. Besonders bewegend sei es gewesen, die Tiere später am Schreinersteich in Ruhe beobachten zu können. Gerade das Engagement junger Menschen wertet der Bund Naturschutz als ermutigendes Signal für die Zukunft des Artenschutzes.

Verluste trotz Einsatz

Trotz der großen Hilfsbereitschaft konnten nicht alle Tiere gerettet werden. Schätzungsweise rund 100 Erdkröten wurden während der Wanderung überfahren. Besonders kritisch war die Nacht vom 8. auf den 9. April, in der innerhalb von 24 Stunden etwa 20 tote Tiere gezählt wurden – trotz mehrfacher Kontrollen. Für den Bund Naturschutz steht daher fest: Der bestehende Schutz reicht noch nicht aus. Vor allem der Amphibienschutzzaun müsse im kommenden Jahr repariert oder durch ein stabileres Leitsystem ersetzt werden.

Rückwanderung als neue Herausforderung

Eine neue Herausforderung ist die Rückwanderung nach dem Ablaichen, für die es bislang kaum Schutzmaßnahmen gibt. Viele Tiere gelangen an ungeschützten Stellen auf die Fahrbahn und werden dort schnell überfahren. Die Ortsgruppe Selb arbeitet derzeit an provisorischen Lösungen, sieht jedoch langfristig dringenden Handlungsbedarf.

Ausblick und Appell

Die hohen Zahlen wandernder Amphibien wertet der Bund Naturschutz als Ansporn, das Feuchtgebiet am „Hexenkeller“ deutlich zu verbessern. Ziel ist es, die Lebensbedingungen so zu optimieren, dass die gefährliche Wanderung zum Ablaichen künftig gar nicht mehr nötig ist.

Der Bund Naturschutz steht dazu bereits im Austausch mit der Stadt Selb und dem Landkreis Wunsiedel. Kreisvorsitzende Heike Schöpe dankt allen Beteiligten: „Ohne das Engagement der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.“

Der Bund Naturschutz ruft weiterhin Autofahrer auf, in den Abend- und Nachtstunden besonders vorsichtig zu fahren.– denn die Rückwanderung der Amphibien dauert noch an