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600 Jahre Zelb: Historische Waldnutzung. Führung mit Alfred Terporten-Löhner.

In der Häuselloh standen die vielfältigen Nutzungen des Waldes im Laufe der Menschheitsgeschichte im Fokus.

01.06.2026

Vom Nutzen des Waldes

In einer spannenden Waldführung, anlässlich der Feierlichkeiten zu 600 Jahre Selber Stadtgeschichte, führte Fred Terporten-Löhner im Rahmen seiner Funktion als Vorstandsmitglied der BUND Kreisgruppe Wunsiedel, durch den Selber Forst. Zum Thema standen die vielfältigen Nutzungen des Waldes im Laufe der Menschheitsgeschichte.

Der Forstmann führte die Teilnehmer mit einem kurzen Rückblick auf die anfängliche Nutzung des Waldes wie Jagd und Sammeltätigkeiten in das umfangreiche Thema ein.

Schon bald wurde deutlich, dass die Entwicklung der Menschheit eng mit dem Wald verknüpft ist. Der anfänglich als dunkel, undurchdringlich und gefährlich empfundene „Urwald“ verliert im Laufe der Jahrhunderte seinen Schrecken. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Jagdwaffen über Pfeil und Bogen bis zum heutigen Jagdgewehr, konnte man sich der wilden Tiere wie Bär, Wolf, Luchs oder Auerochse leichter erwehren, erklärt Terporten-Löhner.

Mit der Walderschließung stieg auch der wirtschaftliche Druck auf den Wald, der sich allmählich vom dunklen Naturwald zum gemanagten Forst entwickelte.

Nach den ersten Rodungen für Ackerbau und Viehzucht, wird der Wald zunehmend als Rohstoffquelle entdeckt. Brennholz, Bauholz und Holzkohleproduktion prägen für Jahrhunderte den Nutzen des Waldes. Das blieb nicht ohne Folgen. Das waldreiche Mitteleuropa der Nacheiszeit wandelt sich sehr schnell in ein Mosaik aus Wald und Feldanteilen. In schwer zu bewirtschaftenden Lagen, oft steil, steinig oder nass blieb der Wald erhalten. Flache Lagen auf ertragreichen Standorten wurden schnell zum Acker umgewandelt. Von den fast flächendeckenden Waldgebieten, blieb ein Waldanteil von ca. 30% übrig. Das ist bis heute so geblieben.

Die Angst vor der Übernutzung des Waldes veranlasste Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica (1713), den Begriff Nachhaltigkeit erstmalig für die Bewirtschaftung des Waldes anzuwenden. 

Er formuliert das Prinzip: „Es soll nur so viel Holz geschlagen werden wie wieder nachwachsen kann“. Ein Meilenstein.

Vor der Entdeckung der Stein – oder Braunkohle war Holzkohle für viele Nutzungen die Grundlage der Produktion. Terporten-Löhner nennt hier vor allem die Erzverhüttung mit dem sog. Rennofen, die Waldglasherstellung und die Harz- bzw. Pechgewinnung. 

Erst mit der Herstellung von Holzkohle konnte Roheisen gewonnen (z.B. aus Raseneisenerz, später Erzminen) und verarbeitet werden. Durch Holzkohle wurden die dafür erforderlichen Temperaturen von über tausend Grad erzeugt. Tausende von Hektaren Wald wurden buchstäblich verkohlt.

Die anfänglich überall praktizierte Form des Kahlschlags führte schließlich zu einem Baumartenwandel. Frostgefahr, Erosionen und Austrocknung oder Verhagerungen schränkten die Verwendung zukünftiger Mischbaumarten stark ein. Die großflächig verbreiteten Buchenwälder änderten sich vielerorts in Kiefern- oder Fichten -Monokulturen.

Für die jagdliche Nutzung durch den Hochadel wurden große Waldgebiete zum Reichsforst oder Bannwald erklärt. Die Jagd des Hochwildes wie Hirsch oder Wildschwein blieb dem Adel vorbehalten. Die bäuerliche Landbevölkerung hatte Frondienste zu leisten. Ihnen blieben Reh und Hase, das sogenannte Niederwild. Überhöhte Wildbestände schädigten den Wald und schränkten auch die natürliche Waldverjüngung erheblich ein. Die Aufsicht hatten eingestellte Wildhüter und Forstpersonal. 

Neben dem jagdlichen Druck wurde durch Waldweide, Streu- und Harznutzung die Produktivität des Waldes stark geschwächt. Darüber hinaus verschärften Kriegsreparationen die Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung des Waldes.

Erst in der Neuzeit und mit der aufkommenden wissenschaftlichen Betrachtung des Waldes verändert sich die Sichtweise auf den Wald. Neue Waldnutzungen traten auf. Naturschutz, Erholung und Schutzfunktionen werden zunehmend mehr beachtet. Freizeitaktivitäten verlagern sich in den Wald. Andere Nutzungen wie Lohegewinnung für die Ledergerbung, Zeidlerei (Bienennutzung) oder Torfabbau geraten in den Hintergrund. Der naturnahe Waldbau gewinnt an Bedeutung und steht für eine nachhaltige Nutzung des Waldes im Einklang mit Erholung und Naturschutz. 

Als Beispiel nennt der Förster und Naturschützer die Bewirtschaftung des Bayerischen Staatswaldes durch die Bayerischen Staatsforsten. Um Nutzfunktionen, Schutzfunktionen und Erholungsfunktion zu gewährleisten, bedarf es gut ausgebildeten Personals auf allen Ebenen. Forstschulen, Universitäten und betriebliche Ausbildung, bilden den Grundpfeiler einer nachhaltigen Nutzung des Waldes.

Er betont auch, dass durch die veränderten Umweltbedingungen neue Herausforderungen in Bezug auf die Nutzung des Waldes anstehen.

Der Klimawandel ist nach den Übernutzungen, dem Waldsterben der 80er- und 90er-Jahre die jüngste Herausforderung, die den Wald existenziell betrifft. 

Fred Terporten-Löhner schließt mit den Worten Franz Kafkas:

„In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“