„Windkraftstandorte im Landkreis Wunsiedel“

mit  Professor Hubert Weiger,
Vorsitzender des BUND und des Bundes Naturschutz in Bayern
Richard Mergner
, Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz
Dr. Herbert Barthe
l, Energiereferent des Bundes Naturschutz
Inge Heinrich
, Stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Wunsiedel,
Karl Paulus
, BN-Kreisgeschäftsführer, weitere Vorstandsmitglieder
Peter Weger,  Dieter Bescherer
vom BN-Kreisvorstand 

„Windkraft natürlich – aber nicht überall“
Landschaftsschutz darf nicht auf der Strecke bleiben

Landschaftsschutzgebiete müssen unangetastet bleiben
Landesvorstand und BN-vor-Ort arbeiten eng zusammen

Die Position des BN zum Thema Windkraft und Energiewende

Arzberg/Wunsiedel. Bei einer Pressefahrt im Landkreis Wunsiedel hat der Bund Naturschutz mit Professor Huber Weiger an der Spitze seine differenzierte Position in Sachen Windkraftnutzung vor Ort verdeutlicht. „Wir sind klar für die Windkraft als wichtige Säule der Energiewende. Doch die Standorte der Windparks müssen sorgfältig nach fachlichen Kriterien festgelegt werden“, bekräftigte der Vorsitzende des BUND und des Bundes Naturschutz in Bayern.

So müsse neben der Windhöffigkeit der Standorte, dem Anschluss an das öffentliche Netz und genügend Abstand zur Wohnbebauung auch der Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigt werden. „Es kommt also ganz auf die Standorte an“, so Hubert Weiger.

Für den Bund Naturschutz ist der Ausbau der regenerativen Energien und der Windkraft dringend erforderlich. Aber ein ebenso hoher Wert ist die Natur und Landschaft im Naturpark Fichtelgebirge. „Wir brauchen Qualitätsplanung und kluge Politik, Windkraft und Landschaftsschutz in Einklang zu bringen“.

Wo es geht, und wo nicht

Wir sind für eine Konzentration der Windkraft auf abgestimmten Standorten auf den offenen Hochflächen im inneren Fichtelgebirge (550 bis 600m NN). Keinesfalls will der BN Windparks in den Waldhorizonten des Hohen Fichtelgebirges, in den Kernbereichen des Landschaftsschutzgebiets Fichtelgebirge wie etwa im Kösseinemassiv. Denn durch die 200 Meter hohen Windkraftwerke würde das Fichtelgebirge sein Gesicht verlieren, seine charakteristische Eigenart und Schönheit. „Der Natur- und Landschaftsschutz sind ja die Wurzeln des Bundes Naturschutz“, so Landesbeauftragter Richard Mergner.

Station:Windkraftstandort Korbersdorf-Seußen

Volle Zustimmung. Mit diesem Windkraftstandort hat der BN keinerlei Probleme. Es handelt sich um eine intensiv genutzte Agrarlandschaft.

Blick zum Windkraftstandort Braunersgrün bei Höchstädt.  Hier stehen sechs kleinere Windkraftwerke a´600 KW und ein modernes Windkraftwerk Vestas V112 mit 3 MW Leistung (Gesamthöhe 198m, Strom für 2000 Haushalte). Bei diesem Standort hat es keinerlei Diskussionen gegeben. Hier wäre eine Erweiterung des Windparks bzw. ein „Repowering“ der kleinen Anlagen denkbar. Ein weiterer geeigneter Windkraftstandort ist Heidelheim bei Selb.

Station: Windkraftstandort Steinberg

Der Standort war ursprünglich nicht als Vorranggebiet für Windenergie vorgesehen. Mit aller Macht wollen die Kommunen Hohenberg und Schirnding und die Bayerischen Staatsforsten als Grundverwalter einen

Windpark mit 5 Windkraftwerken auf dem 653m hohen Basaltberg. Die BaySF würde durch die Pachteinnahmen von ca. 120.000 Euro pro Jahr erheblich profitieren.  Hohenberg und Schirnding wollen ein eigenes Kommunalunternehmen gründen. Richard Mergner: „Es geht hier nur ums Geld, und nicht um Energiewende.“ Der BN lehnt ein Geschäftsmodell  für die BaySF ab, nachdem es in erster Linie darum geht, bayernweit möglichst schnell viele Standorte im Staatswald zur Verfügung zu stellen, und dafür Pachteinnahmen in Millionenhöhe zu erzielen, ohne dass die Standorte sorgfältig fachlich geprüft werden.

Steinberg geht gar nicht: Hier liegt eine völlig andere Qualität vor. Der Basaltberg mit seinen heranwachsenden Laubwäldern, Geotopen und Biotopen stellt aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes ein Kleinod im Fichtelgebirge dar. Das Steinbergmassiv entwickle sich zu einem der größten Laubwaldgebiete Oberfrankens mit wertvollen Buchenwäldern auf Basalt. Es ist ein hochwertiges Landschaftsschutz- und Erholungsgebiet (Ausflugsgaststätte Steinhaus).

Vorkommen gefährdeter Vogelarten (u.a. Rotmilan, Schwarzstorch, Wanderfalke, Wendehals) und schlaggefährdeter Fledermausarten (Kleiner  Abendsegler, Nordfledermaus, Zwergfledermaus, selbst die europaweit geschützte Mopsfledermaus).

Der Steinberg ist der umstrittenste Windkraftstandort Oberfrankens. Schon 975 Einwendungen der „Freunde des Steinbergs“. Ablehnung durch den Naturschutzbeirat des Landkreises.

Dennoch wollen die Kommunen mit dem Kopf durch die Wand (Triebfeder: klamme Kassen, weniger Energiewende). Jetzt wollen sie über den Kreistag eine Herausnahme des Steinbergs aus dem Landschaftsschutzgebiet Fichtelgebirge erreichen. Für den BN wäre das ein handfester Naturschutz-skandal und ein fatales Signal für den Naturschutz im Fichtelgebirge und in ganz Bayern. Soweit darf es nicht kommen. Gefordert ist hier der regionale Planungsverband, kein Vorranggebiet auszuweisen, aber auch Landrat Dr. Karl Döhler als Vorsitzender des Naturparks Fichtelgebirge.

Nicht in jeder Kommune

Nach Auffassung des BN muss nicht in jeder Kommune ein Windpark entstehen. Sehr wichtig beim Ausbau der regenerativen Energien ist die interkommunale Zusammenarbeit, so wie es die „ZukunftsEnergie Fichtelgebirge“ bereits beispielhaft praktiziert.

Eine ausführliche Stellungnahme zur Position des BN zum Thema "Windkraftstandorte" hier klicken.

Für Rückfragen:
Karl Paulus
Tel. 09235/96-99-96