Vom monetären Wert der Natur - Gebietsbetreuer Ronald Ledermüller referierte beim BN

Wenn Naturfreunde und Naturschützer über den Wert von Natur sprechen, dann sehen sie in der Regel ideelle Werte. „Doch ist es nicht eine Überlegung wert, einmal darüber nachzudenken, was die Natur in Euro oder Dollar wert ist – in einer Gesellschaft, in der sich fast alles ums Geld dreht?“ Dies fragte BN-Geschäftsführer Karl Paulus bei der Begrüßung zu einem Vortragsabend mit Ronald Ledermüller im Gasthof Waldfrieden in Brand-Oberöhlbühl in die Runde.

Ronald Ledermüller referierte beim Bund Naturschutz über den monetären Wert von Natur.
Karl Paulus: Mit etwas Wehmut moderierte er seinen letzten Vortrag für die Kreisgruppe Tirschenreuth, deren Geschäftsführung er am 30.11.2012 abgibt.

In einem facettenreichen Vortrag stellte der Gebietsbetreuer des Naturparks Fichtelgebirge verschiedene Studien über sogenannte Ökosystemleistungen vor. Damit gemeint sei alles, was uns die Natur an Dienstleistungen zur Verfügung stellt. So seien sogenannte „Ecosystem Services“(ESS) entwickelt worden, um den Wert der Natur wirtschaftswissenschaftlich zu erfassen. Solche Ökosystemdienstleistungen sind zum Beispiel die Bodenbildung, die genetische Vielfalt und die Bionik, aber auch regulierende Dienstleistungen wie der natürliche Hochwasserschutz oder kulturelle Dienstleistungen wie Erholung, Naturtourismus und ästhetisches Vergnügen.

Der wirtschaftliche Wert der Leistungen von Ökosystemen sei weitaus höher, als von Ökonomen und Wissenschaftlern bisher angenommen wurde, erklärte Ledermüller mit Verweis auf Studien der Bundesregierung. Gut erforscht sei die Leistung der Bienen. Rund 300.000 Tier- und Insektenarten würden 80 Prozent der Samenpflanzen bestäuben. „Der geschätzte Wert der Bestäubungsleistung weltweit beträgt 150 Milliarden Euro“, so Ronald Ledermüller. Der Gebietsbetreuer nannte eine weitere bemerkenswerte Zahl: Der Wert der Ökosystemdienstleistungen der 100.000 Schutzgebiete auf der Erde würde auf 4.400 bis 5.200 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Schatzinsel Fichtelgebirge
Nach der globalen Betrachtung ging der Gebietsbetreuer auf den Wert der Natur im Naturpark Fichtelgebirge ein, der eine Fläche von 102.800 Hektarn umfasse. „Das Fichtelgebirge ist eine kleine Schatzinsel“, schwärmte Ronald Ledermüller, „Heimat von mehr als 400 Tier- und Pflanzenarten der Roten Listen“. Der Gebirgsknoten sei auch ein Knotenpunkt von Lebensräumen und Wanderachsen für Flora und Fauna und habe „zentrale Bedeutung“ für die Biodiversität in Mitteleuropa.

Die Natur im Fichtelgebirge sei die Grundlage des Tourismus, betonte der Gebietsbetreuer. Für 84 Prozent der Gäste sei eine intakte Natur und Landschaft am Urlaubsort wichtig. Der Tourismus sei mit rund 400 Millionen Umsatz pro Jahr ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor im Fichtelgebirge.

Natur als Chance für die Region
Leidenschaftlich warb Ledermüller für den Gedanken „Natur als Chance für unsere Region“. Grün sei Lifestyle gerade in gebildeten Schichten. Ein gesundes Lebensumfeld sei ein wichtiger Faktor für junge Familien. „Ein guter Arbeitsplatz  in einem Weltunternehmen und ein gesundes Lebensumfeld. Das ist die Chance für unsere Region“. Mit einer Zukunftsvision des „Homo Fichtelgebirgensis“ setzte sich Ledermüller ein für eine nachhaltige Zukunftsstrategie und ein gleichberechtigtes Miteinander von Ökonomie, Ökologie und Sozialem.

In der Diskussion bekräftigten mehrere Redner, dass die Menschen im Fichtelgebirge mehr Stolz auf die Heimat zeigen sollten, so wie die Oberbayern. Die Symbiose von hoher Industriedichte und hoher naturräumlicher Qualität ist für BN-Geschäftsführer Karl Paulus ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Fichtelgebirges.