„Landschaft zum Anbeißen“, Klaus Schaumberg präsentiert das

Projekt „Weiderind Frankenwald“

Große Resonanz beim Bund Naturschutz in Hauenreuth.
Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand für die Natur.

Dass dies durchaus geht, zeigte ein spannender Vortrags- und Diskussionsabend des  Bundes Naturschutz in Hauenreuth. Das gemütliche Dorfgemeinschaftshaus war mit 42 Besuchern rappelvoll.

BN-Kreisgeschäftsführer Karl Paulus, der den Abend moderierte, konnte eine Vielzahl von Gästen willkommen heißen: So Karl Fischer vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, BBV-Kreisobmann Harald Fischer, Reinhard Rasp vom Maschinenring, Gudrun-Frohmader-Heubeck und Ronald Ledermüller vom Naturpark Fichtelgebirge, Gisela Kreipe von der Naturschutzbehörde, Michael Fichtner als Vertreter der Wasserwirtschaft, etliche Weidehalter und natürlich „die Freunde des BN“ mit stellvertretender Kreisvorsitzender Inge Heinrich und Webmaster Günther Heinrich.

Moderator Karl Paulus und Referent Klaus Schaumberg
konnten sich über die Resonanz in Bezug auf Besuch und Diskussionsbeiträge freuen.

In seiner Ansprache formulierte Paulus eine Vision in Sachen Beweidung.
"Viele Landwirte setzen auf Beweidung. Es entsteht eine Qualitätsmarke Weiderind Fichtelgebirge mit eigener Vermarktungsschiene 'Aus der Region, für die Region'. In den Weiden entwickelt sich eine üppige Artenvielfalt. Die attraktiven Weidetiere locken viele Touristen in unser Fichtelgebirge.“ 

Dann hatte der Referent Klaus Schaumberg das Wort. Sachlich und kompetent, unterlegt mit zahlreichen Fotos, Karten und Tabellen informierte der Projektleiter über das „Erfolgsmodell Weiderind Frankenwald“. Das Großprojekt im Naturpark Frankenwald sei 2008 mit einer 85-Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds gestartet worden. Ein wichtiges Ziel des Projektes sei der Erhalt artenreichen Grünlands durch extensive Beweidung. „Natürlich soll sich das Modell nach der Anschubfinanzierung auch wirtschaftlich tragen, durch entsprechendes Flächenmanagement und gute Vermarktung“, so  Klaus Schaumberg. Derzeit seien 59 Betriebe mit Weidehaltung mit insgesamt 1100 Mutterkühen in das Projekt integriert. Allein 2009 seien 18 Betriebe dazugekommen. Weiderinder in der Mutterkuhhaltung wachsen im natürlichen Herdenverbund auf und verbringen den Großteil des Jahres im Freiland auf der Weide. Die Milch der Kühe steht ausschließlich den Kälbern zur Verfügung, so Schaumberg.

„Es ist ein Schauspiel die Tiere auf den Weiden zu beobachten“, schwärmte der Projektleiter. Besonders beeindruckend für die vielen Zuhörer war die große Vielfalt der Weidetiere. Insgesamt 18 Rinderrassen, darunter Charolais, Luing, Fleckvieh, Deutsch-Angus, Galloway, Schottisches Hochlandrind oder Welsh Black, tummeln sich in den Projektweiden des Frankenwaldes.

Inzwischen habe man ein Markenprodukt „Weiderind Frankenwald“ etablieren können. „34 Betriebe sind zertifiziert, sechs Metzger machen mit“, informierte Schaumberg. Rindfleisch aus Weidehaltung sei ein hochwertiges Naturprodukt, das eine geschmackliche Vielfalt von hohem kulinarischen Genuss liefere. Ausschlaggebend sei das langsame Aufwachsen in Herden, kräuterreiches Grundfutter und der großzügige Bewegungsfreiraum. Weidefleisch besitze einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Wichtig für die Weidehalter sei natürlich ein fairer Preis, so Schaumberg. Momentan liege der Schlachtkörper-Kilopreis bei 3,40 Euro. Die Nachfrage sei weit größer als unser Angebot.

Klaus Schaumberg fasste zusammen:
„Unser Weiderind bürgt für naturschonende Landnutzung, artenreiche Landschaft, naturnahe Tierhaltung und  besonders schmackhaftes Fleisch aus der Region.“

Ausführliche Information unter www.weidewelt-frankenwald.de

Ist das ein Modell fürs Fichtelgebirge?

Im Anschluss an den vielseitigen Vortrag entwickelte sich eine intensive, sehr konstruktive Diskussion. „ Ist so ein Projekt auch im Fichtelgebirge möglich?“, fragte Karl Paulus in die Runde. Zwar gebe es viele gute Ansätze, doch wie kann der große Wurf in Richtung Beweidungsmanagement gelingen? Ein erster Schritt könne eine gründliche Analyse sein, so Schaumberg.

Auf Nachfrage von Gudrun Frohmader-Heubeck sagte der Experte, dass für das Frankenwaldprojekt 2006 zunächst eine Vorstudie erstellt worden sei.

„Wären Eure modellhaften Instrumente auch für uns nutzbar?“, fragte Ronald Ledermüller. Schaumberg bejahte das vom Grundsatz her, allerdings sei ein Moderator dazu notwendig.

BBV-Kreisobmann Harald Fischer erklärte, dass  der Bauernverband grundsätzlich nichts gegen die Beweidung habe. Allerdings dürfe keine Konkurrenz zur herkömmlichen landwirtschaftlichen Nutzung entstehen. Auf Grenzertragslagen sei dies durchaus sinnvoll. „Das ist ja auch etwas fürs Auge“, so Fischer.

Heinz Wunderlich appellierte an die Anwesenden, das Thema verstärkt über das Internet zu propagieren.

Eine Landwirtin aus Kleinwendern regte an, die „Genussregion Oberfranken“ zur Vermarktung zu nutzen.

Zurückhaltend zur Beweidung äußerte sich Karl Fischer vom Amt für Landwirtschaft „Die Wirtschaftlichkeit von Weidehaltung ist begrenzt“. Interessanter sei zur Zeit die Pflegeschiene. Das Amt könne zwar Projekte begleiten, jedoch keine Vermarktungsstrukturen aufbauen.

Reinhard Rasp stellte anhand einer Ausgleichsfläche im Selbtal fest, dass es schwierig sei, die vielen Auflagen einzuhalten.

Ronald Ledermüller gab zu verstehen, dass der Naturpark schon viel Arbeit in das Thema investiert habe. „Flächen wären schon vorhanden, doch es fehlen die Praktiker vor Ort“

Hinsichtlich der in Frage kommenden Rinderrassen erklärte Gisela Kreipe: „Unser Wunsch wäre das Rotvieh“. Weidehalter Hermann Köstler hielt das Rotvieh für „gut geeignet“ zur Beweidung von Feuchtflächen.

Auf große Zustimmung stieß schließlich der Vorschlag, das Weideprojekt im Frankenwald im Rahmen einer gemeinsamen Informationsfahrt zu erkunden.