Klausur des Kreisgruppenvorstandes

Im Land der Kraniche und Seeadler

Die diesjährige Klausur des Kreisvorstands des Bundes Naturschutz führte vom 16. bis 18. Oktober in den Nordosten Sachsens, in das Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet". In dem 30.102 Hektar großen Reservat nördlich von Bautzen befindet sich eines der größten Teichgebiete Deutschlands. Die naturnahe Kulturlandschaft zeichnet sich durch einen kleinräumigen Wechsel von Teichen, Feuchtwäldern, Heidegebieten und Dünenwäldern aus.

Am Samstagfrüh brach die 14köpfige Gruppe zu einer ganztägigen Exkursion ins Biosphärenreservat auf. Mit Jörg Kasper vom örtlichen Vogelschutzbund konnte ein excellenter Gebietskenner gewonnen werden.

„Da, ein Seeadler!“ stießen plötzlich einige Exkursionsteilnehmer hervor. Wie auf Bestellung schwebte bereits am ersten Gewässer im Teichgebiet Kreba ein adulter Adler ein. Der Seeadler mit wissenschaftlichem Namen Haliaetus albicilla ist der größte Greifvogel Deutschlands mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Metern. In dem Oberlausitzer Biosphärenreservat gibt es 15 Brutpaare des imposanten Großvogels. „Willkommen im Land der Seeadler“, so begrüßt die Oberlausitz demzufolge auch seine Gäste. Insgesamt acht Seeadler sollten die Naturschützer an diesem Samstag zu Gesicht bekommen.

Nahezu an jedem der schilfbestandenen Teiche konnten die Exkursionsteilnehmer ornithologische Besonderheiten genießen. An einem Teich versammelten sich Dutzende von Krickenten, begleitet von einigen Pfeif- und Spießenten. Den meisten Teilnehmern war nicht bekannt, dass viele Enten bereits jetzt ihr Prachtkleid anlegen. An einem weiteren Teich bot sich eine prachtvolle Szenerie mit weit über 100 Silberreihern. Deren leuchtend weißes Gefieder bot einen bizarren Kontrast zu dem Grau der Schlammflächen und des feucht-kühlen Herbsttages. An einem abgelassenen Teich unweit Kreba präsentierte sich die Vogelgruppe der Limikolen oder Watvögel. Mehrere Dutzend von Bekassinen zeigten sich im Formationsflug über den Teichböden. Daneben wurden Waldwasserläufer, Kiebitze, Dunkle Wasserläufer, Alpenstrandläufer und einige Kiebitzregenpfeifer lokalisiert.

Kleinere Rutschbahnen an den Teichufern wiesen auf eine weitere Besonderheit hin: Fast an jedem Teich leben Fischotter. Das Biosphärenreservat beherbergt die größte Population dieser vom Ausstreben bedrohten Tierart in Deutschland.

Nach dem Mittagessen im Ort Mücka war der Braunkohletagebau mit seinen gewaltigen Landschaftsveränderungen das Thema der Naturschützer. Ganze Dörfer mussten bereits den gefräßigen Riesenbaggern weichen. Die etwa fünf Meter starken Braunkohleflöze lagern in bis zu 60 Metern Tiefe. Aus der Braunkohle wird im nahen Großkraftwerk Boxberg durch den Konzern Vattenfall Strom erzeugt. Nach der Flutung der ausgebeuteten Gruben entstanden große Seen, wie der Bärwalder See, die für den Tourismus genutzt werden.

Exkursionsleiter Kasper wartete schließlich mit einer für die oberfränkischen Naturschützer hochinteressanten Neuigkeit auf. In den nahen Dünenwäldern und ehemaligen Truppenübungsplätzen ist der Wolf in größerer Anzahl zurückgekehrt. Im weiteren Umkreis der Oberlausitz wurden bereits sechs Wolfsrudel gezählt, jeweils mit zwei bis zu 10 Tieren.

Vogelbeobachtung
war groß geschrieben
an diesem Tag.
Enten, Gänse und Kraniche,
aber auch Spuren von Fischottern
konnten die Exkursionsteilnehmer
an den Teichufern entdecken.
Braunkohleabbau ist nicht zu übersehen.
Und zum Abschluss Bautzen mit seiner historischen Innenstadt.