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BUND Naturschutz kritisiert überzogene Abholzungen

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Bild: Im Winter und im zeitigen Frühjahr wird an Wegen, Straßen und Bahndämmen sowie an Böschungen und Rainen brutal abgeholzt. Viel zu viel, meint der Bund Naturschutz. Nicht selten wird, wenn die Maschinen schon mal da sind, „Tabula rasa“ gemacht. Von naturnahen und artenreichen Hecken und Gebüschen bleibt dann nur noch ein großer Reisighaufen übrig (Bild), der schließlich zu Hackschnitzeln verarbeitet wird.

Verursacher sind private Haus- und Grundbesitzer, Landwirte, Kommunalarbeiter, die Deutsche Bahn, die ihre Bahndämme freilegt, sowie die Straßenmeisterei Wunsiedel.

Tabula rasa an den Rändern der Straßen im Landkreis Wunsiedel

Die kläglichen Reste eines Lebensraumes "Hecke" an den Straßenrändern im Landkreis Wunsiedel

04.04.2017

Überzogene Abholzungen an öffentlichen Straßen

Brief an Straßenmeisterei Wunsiedel

Am 21. März 2017 hat sich die Bund Naturschutz-Kreisgruppe an den Leiter der Straßenmeisterei  Wunsiedel, Horst Ringlein, gewandt und darin die Praxis der Abholzungen an öffentlichen  Straßen heftig kritisiert:

„Wir haben in Erfahrung gebracht, dass Sie für die Pflege der überörtlichen Straßen im Landkreis Wunsiedel verantwortlich sind. Die jährlich wiederkehrende, unsere Erachtens völlig überzogene Abholzung von Bäumen und Sträuchern an öffentlichen Straßen stellt ein öffentliches Ärgernis dar, das Jahr für Jahr für großen Unmut und Empörung in der Bevölkerung sorgt.

Dem Bund Naturschutz ist bewusst, dass die Pflege des Baumbestands an öffentlichen Straßen ein hohes Maß an Verantwortung erfordert und es aufgrund der Verkehrssicherungspflicht notwendig ist, einzelne kranke und bruchgefährdete Bäume zu fällen und die Sichtdreiecke an Einmündungen frei zu halten.

Doch leider werden wir seit Jahren mit der gleichen, beklagenswerten Situation konfrontiert: In den Herbst- und Wintermonaten wird von der Straßenmeisterei Wunsiedel brutal und unverhältnismäßig abgeholzt, ganze Böschungsbereiche werden kahl rasiert, als habe man das Fernziel im Auge, sämtlichen Bewuchs an den öffentlichen Straßen mittelfristig zu entfernen.

Mit vielen besorgten und empörten Bürgern stellen wir uns die Frage, woran das liegen mag. Ist es reines Ordnungsdenken, Beschäftigung der Mitarbeiter in ruhigeren Zeiten oder spielt vielleicht die verstärkte Nachfrage nach Biomasse (Holzhackschnitzel) eine Rolle?

Teils klare Verstöße gegen das Naturschutzgesetz

Aus Sicht des Bund Naturschutz ist das ein völlig inakzeptabler Vorgang. In Einzelfällen handelt es sich um klare Verstöße gegen das Naturschutzgesetz.

Ein Schwerpunkt der Abholzungen war wieder einmal die Staatsstraße 2180 von  Weißenstadt bis zum Thiersheimer Plärrer (z.B. bei Grün und Rauschensteig), die Staatsstraße 2177 von Röslau nach Bad Alexandersbad, die Kreisstraße WUN 14  von Wunsiedel nach Oberthölau und die B 303 in Marktredwitz beim Berghof.
Der Bund Naturschutz hat mehrere Stellen in Augenschein genommen, die Bäume waren gesund.

Raub an der Kulturlandschaft des Naturparks Fichtelgebirge

Wir dürfen mit Nachdruck darauf hinweisen, wie wertvoll Bäume, Baumreihen  und Alleen gerade für eine besondere Kulturlandschaft wie den Naturpark Fichtelgebirge sind bzw. sein könnten. Baumreihen und Alleen sind Leitlinien, sie gliedern die Naturparklandschaft und tragen zu ihrer Eigenart und Schönheit bei. Gebüsche und Hecken sind wertvolle Lebensräume für Hunderte von Tierarten.

Ist uns Schönheit denn nichts mehr wert?

Wie wundervoll, einladend und bereichernd sind die Alleen in Mecklenburg- Vorpommern oder in anderen Bundesländern. Und wie kläglich und jämmerlich stehen wir doch da, mit unserem amputierten Straßenbegleitgrün, mit unseren durch Mulchmahd überdüngten und verarmten Straßenrändern und Böschungen.

Rigorose Abholzungen an den öffenlichen Straße beenden

Sehr geehrter Herr Ringlein, wir fordern Sie eindringlich auf, diese fragwürdige Praxis  rigoroser Abholzungen an den öffentlichen Straßen zu beenden. Der Bund Naturschutz wird in der kommenden „Saison“ jeden Einzelfall genau prüfen. Für ein vertiefendes Gespräch mit Vertretern der unteren Naturschutzbehörde  sind wir gerne bereit.“